Pressespiegel KW 15/2024

Es rauschte im Blätterwald mit noch mehr Debatten um die Gebührenfreiheit in Berliner Kitas,
Demos für die Hauptstadtzulage und weiteren Themen.

In Berlin wird mehr Geld für die Bildung pro Kind ausgegeben als anderswo. Im Leistungsvergleich der Länder (IQB-Studie) liegt Berlin aber jaanz weit hinten, nur noch getoppt von Bremen. Fließt das Geld also nicht dorthin wo es gebraucht würde?

Bei den Berliner kandidierenden-Duos für den SPD-Parteivorsitz sorgt auch deswegen die generelle Gebührenfreiheit für Kitas in Zeiten knapper Kassen weiter für Zündstoff. Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel berichtet von Kitas und Schulen in sozialen Brennpunkten, wo die Bildungsbürger ihre Kinder lieber in einem anderen Kiez auf die Kita schicken oder später in Privatschulen. Hikel bezweifelt, dass die allgemeine Gebührenfreiheit für alle tatsächlich solidarisch ist.
news4teachers.de

Zitat der Woche I
_„Die Gebührenfreiheit schafft keine Chancengleichheit. Damit kann die Entkoppelung
von sozialer Herkunft und Bildungserfolg also nicht gelingen.”_
(Martin Hikel – von Beruf Lehrer für Mathematik und Politik, zusammen mit Nicola Böcker-Giannini kandidierend für den SPD-Vorsitz – in news4teachers.de)

In der Berliner Zeitung singen der amtierende SPD-Chef Raed Saleh und die ko-Kandidierende Luise Lehman ein Loblied auf die gegen den Widerstand der CDU erstrittene Kita-Gebührenfreiheit.

Zitat der Woche II
„Darüber hinaus belegen auch Studien regelmäßig, dass die Abschaffung von Gebühren im Bildungsbereich eine wesentliche Voraussetzung für eine gerechtere Verteilung von Bildungschancen ist, was letztlich die Grundlage für unsere Vision einer inklusiven und gerechten Stadt bildet“.
(Berliner Zeitung)

In der Taz erörtern die Redakteure Stefan Alberti und Erik Peter in ihren Kommentaren die Pro- und Contra-Argumente rund um die Kita-Gebühren. Die SPD drücke sich vor nötigen Entscheidungen, wenn sie am Gratis für alle-Prinzip festhalte. Wenn Politik undifferenziert an alle ausschütte und auf den Verwaltungsaufwand verweise – obwohl starke Schultern mehr tragen könnten als schwache – habe sie letztlich kapituliert, sagt Alberti. Peters dagegen lobt die positive soziale Politik der Landesregierung und die Gratis-Bildung für alle: Nirgendwo gehe es so unbürokratisch, inklusiv und familienfreundlich zu. Er fürchtet beim Aufweichen der Teilhabepolitik nicht nur erneute Zunahme der Bürokratie, etwa durch Einkommensprüfungen:

Zitat der Woche III
„Aus der SPD reicht man den kleinen Finger, und diejenigen, die überall und dann womöglich auch für alle ein Preisschild dranhängen wollen, reißen schon am Arm“.
(Erik Peters, Kommentar pro Gebührenfreiheit in Die Tageszeitung)

Noch mehr Berlin: News, News, News
Bleiben wir im Hauptstadtgeschehen. Dort haben am gestrigen Donnerstag die Beschäftigten vieler freier Träger in Berlin noch einmal dafür demonstriert, ebenfalls in den Genuss der Hauptstadtzulage zu kommen, die ihre Kolleg:innen bei den Landesträgern erhalten. Zu den Protesten vor dem Abgeordnetenhaus gegen diese Ungleichbehandlung hatten der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg, der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin und weitere Verbände aufgerufen.
berliner-zeitung.de

So schlossen viele Kitas des Paritätischen Wohlfahrtsverbands oder boten eine Notbetreuung an, hatte der Wohlfahrtsverband mitgeteilt. Und der Verband der Kleinen und Mittleren Kitaträger (VKMK) hatte angekündigt, mindestens 600 Beschäftigte der Mitglieder nähmen an den Protesten
für eine Hauptstadtzulage für Mitarbeiter der Freien Träger teil. Die Freien Träger bieten in Berlin 80 Prozent der Kitaplätze an.
(Tagesspiegel)

Die Bilanz der Demos in der Süddeutschen Zeitung: Rund 3000 Beschäftigte freier Träger haben am Donnerstag für die Hauptstadtzulage demonstriert. Etwa 150 Kitas freier Träger blieben geschlossen oder im Notbetrieb.
sueddeutsche.de

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch hat diese Woche zudem ihre Novelle des Schulgesetzes vorgestellt, das unter anderem mit dem Kita-Chancenjahr schon bei der frühen Bildung Sprachdefizite aufspüren und für bessere Bildungschancen für alle sorgen soll. Die Reaktionen auf das Kita-Chancenjahr seien „nahezu einhellig positiv“, schreibt Sabine Vieth-Entus, Bildungsredakteurin beim Tagesspiegel. Zitiert wird Fröbel-Geschäftsführer und IHK-Vize-Präses Stefan-Spieker. Spieker sieht die „frühzeitige Sprachförderung als Basis für spätere berufliche Perspektiven“. Entscheidend sei jedoch die Umsetzung. Genau daran haperte es bislang weitgehend.
(Der Tagesspiegel)

Ebendiese mangelhafte Umsetzung will die Senatorin verändern. Sie hat sich vorgenommen, zu analysieren, wer die Kita-Totalverweigerer sind und will sie notfalls mit einem Bußgeld sanktionieren.
nd-aktuell.de

Video-Tipp I
NRW hat 2014 die sogenannte alltagsintegrierte Sprachförderung eingeführt. Welche Idee dahinter steckt und welche Effekte der frühen Sprachförderung sich seitdem beobachten lassen, erläutert NRW-Familienministerin Josefine Paul im Didacta-Interview von Bildungsklick-TV.
youtube.com Downloads/0FFA94BB-8523-4BA9-9850-6190CEA9542B/youtube.com

Video-Tipp II
Zeitarbeit hatte lange einen schlechten Ruf. Doch wie sie in Kitas gewährleisten kann, dass Fachpersonal trotz kurzfristiger Lücken einspringen kann, dokumentiert der rbb in einem Video (circa 6 Minuten).
rbb-online.de Downloads/0FFA94BB-8523-4BA9-9850-6190CEA9542B/rbb-online.de

Alle arbeiten daran. Und wir arbeiten weiter daran, Sie zu informieren, was dabei herauskommt!

Schönes Wochenende

Ihre Kita-Stimme.de