Pressespiegel KW 14/2024

Nach Ostern ist vor Ostern mit den Dauerbrenner-Themen „Was die Kitabau-Förderpolitik in Berlin zu wünschen übriglässt“ und „der Stillstand beim Reformprojekt Kindergrundsicherung“.

Die Kindergrundsicherung, die die Kinderarmut im Land mildern soll, hat die Politiker über das Osterwochenende erneut beschäftigt. Familienministerin Lisa Paus (Grüne) will 5000 neue Stellen schaffen, damit das Geld auch diejenigen erreicht, die es am nötigsten haben – die armen Kinder in Deutschland. Was Paus als Bürokratieentlastung und Familienservice sieht, ist in den Augen der FDP ein Bürokratiemonster. Der neuerliche Streit zwischen den Koalitionspartnern nimmt einigen die Hoffnung, das größte sozialpolitische Reformprojekt der Ampel könne bald umgesetzt werden.
(Süddeutsche Zeitung)

Zahl der Woche
Die Kindergrundsicherung kann, wenn sie alle erreicht, bei bis zu 5,6 Millionen bedürftige Kinder und Jugendliche ankommen.
(Quelle: Bundesfamilienministerium)

Zitat der Woche
„Die entscheidenden Fragen sind immer noch nicht geklärt: Wie soll das Gesetz praktisch umgesetzt werden, wie gelangt die Unterstützung von den Behörden zu den Kindern? Es hapert an zu viel Bürokratie und zu wenig Digitalisierung, an nicht funktionierenden Schnittstellen zwischen verschiedenen Ämtern“.
(Der Spiegel)

Bremsen als Strategie lässt sich auch beim Thema Kita-Ausbau beobachten. So steht nicht nur das Investitionsprogramm des Bundes für den Kita-Ausbau schon wieder auf dem Spiel. In der Hauptstadt selbst hat die ewige Realitätsverschleierung des Senats über den tatsächlichen Bedarf an Kita-Plätzen Auswirkungen.

Folgerichtig war auch die Förderpolitik des Senats in den vergangenen drei Jahren eher eine Verhinderungspolitik für ambitionierte Kita-Bauprojekte freier Träger. Nun zieht die Hanna GmbH bei einem lange geplanten Kita-Projekt in Alt-Blankenburg den Stecker. Obwohl laut Bertelsmann-Stiftung 19 800 Kita-Plätze in Berlin fehlen, sieht der Senat den Bedarf nur bei 3000 Plätzen. Zum Hintergrund der Schließung hier entlang

In Berlin wählt die SPD bald ihren Parteivorsitz neu. Im Zentrum der Debatten der möglichen Doppelspitzen steht unter anderem auch die Gebührenfreiheit für Kitas. Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel und Ex-Staatssekretärin Nicola Böcker-Giannini können sich vorstellen, Kita-Gebühren für Besserverdienende einzuführen. Der amtierende Parteichef Raed Saleh will an der generellen Gebührenfreiheit für alle Eltern festhalten.
berliner-zeitung.de

Oft verkleistern ideologische Debatten den Blick auf mangelnden politischen Willen, mehr Geld gezielt dorthin zu lenken wo es dringend benötigt wird – in die Bildung natürlich auch derjenigen, die es besonders nötig haben. Natürlich stimmt auch: Geld ist nie genug im Haushaltstopf und alle wollen etwas davon abhaben.

Idee der Woche
Maike Finnen, Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, hat deswegen einen Vorschlag gemacht, der Geld in die klammen öffentlichen Kassen spülen soll. „Die Reichen in der Gesellschaft müssen mehr beitragen, damit Bildung in Deutschland ausreichend finanziert werden kann“, sagte die GEW-Chefin der Stuttgarter Zeitung. Dabei denkt sie unter anderem an höhere Erbschafts- und Vermögenssteuern. Zeit, dass sich Politiker an dieses Thema herantrauen.
(Stuttgarter Zeitung)

Das brisante Thema Fachkräftemangel bleibt ebenfalls weiter am Lodern. In Hessen sehen sich viele Gemeinden inzwischen auf der ganzen Welt nach möglichen Kita-Fachpersonal um. Hanau hat – nach einem einjährigen Anpassungslehrgang in den Kitas vor Ort – inzwischen Erzieherinnen aus Kolumbien und Brasilien eingestellt. In Bad Homburg arbeiten die ersten Fachkräfte aus Namibia. Dabei gehe es „nicht nur um das Stopfen von Löchern, sondern die aus dem Ausland stammenden Mitarbeiterinnen brächten viele Ressourcen mit, darunter Begeisterung, Motivation und fundierte Fachkenntnisse“, sagt Eva Jethon, Fachbereichsleitung Städtische Kindertagesstätten in Bad Homburg.
(Frankfurter Neue Presse)

Bei erzieherin.de legt Professor Armin Schneider, Dekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz, dar, wie der Streit um „Ergänzungskräfte“ in den Kitas genutzt werden kann, um den Begriff von Profil und Mandat der neuen Beschäftigten klarer zu fassen. Ein Fachbeitrag, der zeigt, wie moderne Personallösungen in Kitas aussehen. Und wie sie gelingen. Prädikat lesenswert.
erzieherin.de/files/

Debatten sind meist gut, wenn sie zu Fortschritt und Verbesserungen führen. Ein heißes Eisen ist für viele heute die Veränderung von Literatur, weil sie aus heutiger Sicht Stereotype bedient. Kein einfaches Thema. Der MDR liefert den Überblick.

Video-Tipp
Müssen Kinderbücher wie Pippi Langstrumpf überarbeitet werden – ja, nein, vielleicht?
(1:33 Minuten).
mdr.de

Ein entspanntes Frühlingswochenende wünscht

Ihre Kita-Stimme.berlin