Pressespiegel KW 13

Berlins Kita- und Schulreform tritt im Sommer in Kraft. Kann das verpflichtende
Kita-Chancenjahr in der Realität endlich greifen? Dieses und weitere Themen der Woche

Von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch wurde die Reform bereits angekündigt, am 1. August 2024 ist es nun soweit. Dann tritt Berlins Schul- und Kitareform in Kraft und es gilt ein verpflichtendes Vorschuljahr für Kinder ab dem dritten Lebensjahr, die noch nicht in der Kita sind und nicht richtig Deutsch sprechen. Sie müssen dann mindestens ein Jahr vor der Einschulung eine Kita besuchen oder vergleichbare Sprachförderangebote freier Anbieter wahrnehmen.
spiegel.de

Die Senatsmitteilung zur Reform im Wortlaut finden Sie hier.
Der Haken an der Sache: Eigentlich besteht schon längst eine Kita-Pflicht für Kinder mit Sprachdefiziten, doch es hapert an der Umsetzung. Zu den Sprachtests erschien bislang nur ein Drittel der angeschriebenen Familien.
(Neues Deutschland)
Und im Realitäts-Check hat sich auch das bisherige Sprachförderprogramm nicht durchgesetzt:

Zahl der Woche
Von den 900 Berliner Kindern, bei denen 2022 mangelnde Deutschkenntnisse festgestellt wurden, nahmen nur 160 anschließend an der Sprachförderung teil.
(B.Z.)

Franziska Brychcy, bildungspolitische Sprecherin der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus sympathisiert zwar gegenüber dem Neuen Deutschland mit dem verpflichtenden Kita-Jahr. Allerdings befürchtet sie, dass die Umsetzung angesichts der angespannten Personallage in Kitas schwierig wird. Außerdem gebe es Engpässe bei den Räumlichkeiten. Der Kita-Ausbau müsse deswegen vorangetrieben werden.

Zitat der Woche*
„Kita-Pflicht und Kita-Ausbau müssen Hand in Hand gehen“.
(Franziska Brychcy, bildungspolitische Sprecherin der Linken/ Neues Deutschland)

Auch beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) meldet Kommentator Jan Sternberg Zweifel an, ob ein verpflichtendes Vorschuljahr die Probleme der Grundschulen lösen kann. Das sei zu kurz gedacht – denn es fehle den Kitas an zu vielem, vor allem an Personal.
(RND)

Es scheint ein politisches Naturgesetz zu geben: Gesetze kommen, der Mangel bleibt.

News News News
Brandenburgs Linke scheitern mit ihrem Gesetzesentwurf für eine Kita-Reform vor der Landtagswahl am 22. September. Vorgesehen war unter anderem ein Mindestbetreuungsanspruch von acht Stunden täglich – vom 1. Lebensjahr an, sowie komplette Beitragsfreiheit für Eltern. Die Reform kommt seit Jahren nicht in Gang, obwohl sich alle einige sind, dass sie nötig wäre.
(Neues Deutschland)

Das beliebte Schwarze-Peter-Spiel zwischen Bund und Ländern geht weiter. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hatte im Frühjahr einen Bildungsgipfel einberufen, zu dem kaum einer kommen wollte. Nun kartet die CDU nach: Stark-Watzinger gehe zu konfrontativ vor und habe wenig Interesse am Austausch mit den kommunalen Spitzenverbänden. Die Ministerin wehrt sich: Sie habe mit der Task-Force Bildung eine neue Kultur der Zusammenarbeit angeregt. Das Angebot sei von den Ländern nicht angenommen worden.
(Tagesspiegel)

Und hier geht es zur CDU/CSU-Bilanz des implodierten Bildungsgipfels sowie dem Antrag der Fraktion für eine bessere Zusammenarbeit von Bund, Land und Kommunen in der frühkindlichen Bildung.
bundestag.de

So kann das noch ewig weitergehen.

Weil sich Bund, Länder und Kommunen ständig die Verantwortung zuschieben, platzt nun den Verantwortlichen in Bayerns Kita-Verbänden der Kragen. Sie sind das Verantwortungs-Pingpong leid und fordern eine bessere Finanzierung der Kitas, höhere Löhne und kleinere Gruppen. Mit Quereinsteigerinnen alleine ließe sich das Betreuungsproblem nicht lösen.
br.de

Vergangene Woche wurde von der Regierung das Investitionsprogramm des Bundes zum Kita-Ausbau zur Disposition gestellt. Diese Woche überrascht Finanzminister Christian Lindner im Interview mit Tina Hassel in der ARD mit der Aussage, Vorentscheidungen über Haushaltskürzungen gebe es jedenfalls keine. In den Medien jedenfalls keimt noch ein Fünkchen Hoffnung.
merkur.de

Und die Akteure in der frühkindlichen Bildung geben natürlich ebenfalls nicht auf:

Pilotprojekt der Woche
Die Stadt Hagen hat Modellprojekt für frühkindliche Bildung gestartet, das systematisch und nach objektiven Kriterien den Förderbedarf der Drei- bis Sechsjährigen erfassen soll. Mit der Diagnostik-Software LOGmedia werde neben den Sprachkenntnissen auch der allgemeine Entwicklungsstand erfasst und Empfehlungen für entsprechende Fördermaßnahmen transparent dargestellt. Das Projekt wurde mit Bildungs-Fachleuten auf die Beine gestellt und wird fortlaufend wissenschaftlich evaluiert.
news4teachers.de

In der Not…Modellversuch der Woche
In Gladbeck fehlen 781 Kitaplätze. Diesem akuten Platzmangel will die Gemeinde nun mit einem Kitaplatz-Sharing Modell zu Leibe rücken, bei dem sich zwei Kinder ein zusätzliches Betreuungsangebot von bis zu 25 Stunden teilen. So will die Kommune bislang unversorgten Kindern zu Beginn des Kitjahres 2024/2025 Plätze anbieten. Das Land muss noch seine Zustimmung geben.
(Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

Wo politische Entscheidungen auf sich warten lassen, ist Pragmatismus gefragt.

Ihnen ein sonniges Osterfest!
Ihre Kita-Stimme.berlin