Presserückblick KW 8/2024

In Kreuzberg sind vorbildliche bilinguale Kitaplätze in Gefahr, in Spandau entstehen endlich neue Kitas. Dies und mehr vom bildungspolitischen Flickenteppich der Woche.

Zweisprachig von der Kita bis zum Abitur. Sogar Eltern aus Steglitz und Wedding brachten ihre Kinder in den deutsch-türkischen Campus in der Blücherstraße. Das Grundschulgebäude, in dem sich die Europa-Kita befindet, soll abgerissen werden, aber nur die Schule soll neu gebaut werden, nicht jedoch die Kita – obwohl die Nachfrage riesig ist. Finden Bezirk und Kita-Träger AWO keine adäquate Lösung, ist das Vorzeigeprojekt angeknackst.
(Tagesspiegel)

Spandau ist einer der Berliner Bezirke, wo sich der Mangel an Kita-Plätzen derzeit am schmerzhaftesten bemerkbar macht. Viele Bauvorhaben, die 2023 beendet sein sollten, haben sich verzögert. Vor 2025 ist bei einigen kein Bauende in Sicht, andere Kitas hoffen, im August 2024 wenigstens mit bis zu 20 Kindern beginnen zu können – den Überblick hat Johannes Leichsenring von der Märkischen Oderzeitung recherchiert. Hier entlang >>>

Über 300 Eltern suchen in Spandau derzeit bislang erfolglos einen Platz für ihr Kind. In der MOZ beschreibt eine berufstätige Mutter aus Kladow, warum sie ihr Kind nun in Potsdam untergebracht hat statt in Spandau weiter zu suchen, und welche Umstände sie als Führungskraft in einem Tech-Unterehmen dafür in Kauf nehmen muss. Prädikat: ärgerlich.
moz.de

Zahl der Woche
13 Prozent der Mütter mit einem Kind von oder unter zwölf Monaten sind erwerbstätig.
87 Prozent der Väter von bis zu einjährigen Kindern sind erwerbstätig.
(Statistisches Bundesamt/_MOZ_)

Weil der Mangel an Kita-Plätzen dringend benötigte weibliche Fachkräfte von der (Erwerbs)-Arbeit abhält, schlägt immer öfter auch die Wirtschaft Alarm, zum Beispiel in deren Leib- und Magenorgan „Handelsblatt“. Dessen Chefredakteur erhebt nun die Stimme.

Aufschrei der Woche
HB-Chefredakteur Sebastian Matthes wirft sich für einen Neuanfang des deutschen Bildungssystems in die Bresche. Die Bildungskrise sei die „seit Jahren am besten beschriebene und vermessene Krise unserer Zeit“. Deutschland habe sich mit Verweis auf den Föderalismus in der Krise eingerichtet. Statt in das Bildungssystem flössen die Milliarden in „Herdprämien, Mütterrenten und unsinnige Subventionen“. Es brauche einen grundlegenden Kulturwandel. Viel Geld müsse fließen – in ausreichend Kitaplätze, Ganztagsbetreuung und ein Weiterbildungssystem, das auch jungen Menschen ohne Abschluss weitere Chancen biete.
(Handelsblatt)

Zitat der Woche
„Mit einem Programm für Brennpunktschulen ist es nicht getan, das gesamte deutsche Bildungssystem ist ein Brennpunkt. Es braucht einen bildungspolitischen Neuanfang, sonst werden auch all die gerade in Berlin diskutierten Wachstumsprogramme nicht zünden“.
(Sebastian Matthes, Handelsblatt-Chefredakteur)

Die Zeit bringt mit einer großangelegten Recherche noch mehr Wucht ins Thema: Das Blatt hat über 30 Gespräche mit Spitzenkräften aus Wirtschaft, Forschungseinrichtungen und Kliniken geführt, darunter unter anderen Evonik, Porsche, TU München, Rheinmetall. Sie äußern sich in seltener Deutlichkeit über die akute Betreuungsnotlage und wie sie sich in der Arbeitswelt auswirkt.
Darunter zum Beispiel Simone Schwanitz, Generalsekretärin der renommierten Max-Plack-Gesellschaft. Sie sagt, dass die hiesige Betreuungssituation für eine internationale Wissenschaftsorganisation wie die ihre ein großes Problem sei, wenn es darum gehe, Spitzenleute aus dem Ausland rekrutieren. Die reagierten mit Unverständnis, weil sie für ihre Kinder ein flexibles Angebot mit höherem Bildungsanspruch gewohnt seien – jedenfalls in den nordischen Ländern und Nordamerika.
(Die Zeit).

Ein weiteres Beispiel: Weil der Flickenteppich gar zu groß ist, will Porsche in Zuffenhausen eine eigene Kita bauen. Die Hälfte der 80 Plätze hätte man gern anderen jungen Familien angeboten. Doch die Behörden bremsten mit der Begründung, andere Kinder dürften auf dem Betriebsgelände nicht zu Kita gehen. Angesichts der aktuellen Lage fehlt Porsche-Personalchef Andreas Haffner dafür jegliches Verständnis. Alle Gespräche finden Sie auf Zeit Online.
zeit.de/kitaengpaesse-auswirkungen-arbeitswelt

NEWS NEWS NEWS
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Im Interview mit der Rheinischen Post macht sich Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) für mehr Mitsprache des Bundes bei Bildungsthemen stark. Einfach nur wie früher Geld zu geben sei „keine Option mehr“. Umfragen zeigten, dass die Menschen ein einheitlicheres Bildungssystem im Land wollen. Die Ministerin plädiert auch für flächendeckende verbindliche Sprachtests bei Vorschulkindern.
(Rheinische Post).

Da ist Widerspruch vorprogrammiert. Die bayrische Regierung hat schon mal den Anfang gemacht und geißelt die „bildungspolitische Geisterfahrt“ des Bundes, der einerseits flächendeckende Sprachtests für Kita-Kinder fordert, andererseits die Förderung der Sprach-Kitas auf die Landeshaushalte abwälzt.
https://www.stmas.bayern.de/aktuelle-meldungen/pm2402-032.php

Wir sind gespannt wie es weitergeht und bleiben dran.

Ihnen ein schönes Wochenende wünscht

Ihre Kita-Stimme.berlin