Presserückblick KW 6/2024

Zieht die Politik endlich Konsequenzen aus dem Pisa-Schock?
Die bildungspolitischen Vorstöße und Versäumnisse der Woche.

Durch den erneuten Pisa-Schock sind Kitas in den Fokus der Bildungspolitik gerückt. Vielerorts fordern Politiker und Politikerinnen nun eine bessere und rechtzeitige Sprachförderung in den Kitas.

Gut so, reicht aber nicht! Das sagt die Heidelberger Bildungswissenschaftlerin Anne Sliwka, die dem wissenschaftlichen Beirat des Kultusministeriums in Baden-Württemberg angehört.

Neben dem Erwerb der Sprache sei Weltwissen wichtig – also ein Wort nicht nur zu kennen, sondern auch zu wissen, was es bedeutet, ebenso Gefühls- und Verhaltensregulation und ein Grundverständnis für Mengen und Relationen. Diese vier Elemente seien internationaler Standard, zumal in Einwanderungsländern.
news4teachers.de

Solche Standards lassen sich flächendeckend natürlich nur durchsetzen, wenn es genügend Kitas, genügend Personal und den politischen Willen gibt, das frühkindliche Bildungssystem auch entsprechend finanziell auszustatten. Die Pädagogin Ilse Wehrmann (Autorin der Streitschrift „Der Kita-Kollaps“) sieht das bei weitem nicht verwirklicht. Wehrmann hat deswegen in einem offenen Brief an Bundes- und Landtagsabgeordnete einen nationalen Bildungsgipfel eingefordert, der bundesweit gültige Standards für das Kita-Qualitätsgesetz erarbeiten solle. Am 12. Februar erscheint ihr Buch „Die gute Kita“. Dort bündelt sie ihre Vorschläge, wie die gesellschaftliche Aufgabe besser gemeistert werden kann.
(epd)

Zitat der Woche
„Eltern, Großeltern, Kinder und Erziehende müssen gemeinsam auf die Straße gehen. Wir werden kämpfen müssen, denn in Deutschland gibt es keine Leidenschaft mehr für Kinder. Dabei sind gute Kitas doch elementar für die Bildungsgesellschaft“.
(Frühpädagogin und Buchautorin Ilse Wehrmann in epd)

Wie dringend nötig mehr Druck durch ein breites gesellschaftliches Bündnis wäre, lässt sich derzeit in Nordrhein-Westfalen beobachten:

Krise der Woche

Berlin als Dauerbaustelle kennen wir ja. Doch jetzt lenken wir unseren Blick mal nach NRW: Dort brennt gerade die Hütte. Tausende Kitas freier Träger (die 75 Prozent aller Kitas betreiben) könnten in NRW vor dem Aus stehen – weil viele freie Träger ihre Mitarbeitenden seit Sommer vergangenen Jahres nach Tarif bezahlen, auf diesen Mehrkosten aber sitzenbleiben, weil sie seither auf eine angemessene Refinanzierung durch die Politik warten. Aufwachen!
derwesten.de

Um zu dokumentieren, wie oft Kitas inzwischen auch wegen Personalmangels schließen oder ihre Öffnungszeiten einschränken müssen, sucht „Zeit online“ nach Eltern, die über community-redaktion@zeit.de Kontakt aufnehmen und darüber berichten möchten (auch anonym) was der Kita-Notstand für sie im Alltag bedeutet und welche Lösungen sie für sich finden.
zeit.de

„Eltern, kommt nach Berlin“, könnte meinen, wer auf berlin.de liest „Berlin – ein Ort zum Kinderkriegen“. Die Werbung der Senatsverwaltung hört sich nach einem wahren Hauptstadt-Bullerbü für Kinder an. Autorin Sabine Priess hat sich die Augen gerieben und die Werbeaussage zum Anlass genommen, für die ARD den Realitätscheck zu machen. Priess kommt zu dem Schluss: „Kein Platz für Kinder in Berlin“. Überfüllung und Wartelisten, wohin die Eltern auch schauen, und von bezahlbarem familientauglichem Wohnraum lässt sich nur träumen. Mit der Wahrnehmung verhält es sich ja oft so, dass manche eine andere haben.
tagesschau.de

Das soll als Berlin-Bashing für heute reichen. Denn es gibt auch tolle Projekte in Berlin.

Knüpfen wir an die anfangs genannten Fähigkeiten an, die Kinder erwerben sollten, bevor sie in die Schule kommen. Darum macht sich beispielsweise die Stiftung Kinder forschen verdient. Sie schult bundesweit Kitas darin (bislang 100 Einrichtungen) das „entdeckende und forschende Lernen“ im Kita-Alltag zu verankern.
Es geht darum, früh den Forschergeist der Kleinen zu wecken mit Fragen wie: „Warum schäumt die Zahnpasta? Oder: „Was macht Schokolade eigentlich so lecker“? Das aktuelle KiQ-Programm startet dieses Jahr im Norden, in den Regionen Hannover Greifswald und anderen.
Löblich: Die Fortbildung wird vom Bundesfamilienministerium gefördert und ist deswegen für die Kitas kostenlos. Hier geht es zu mehr Infos und Bewerbungsmöglichkeiten.
kinderzeit.de

NEWS NEWS NEWS
Bund und Länder haben das milliardenschwere Startchancenprogramm für benachteiligte Kinder auf den Weg gebracht, das Brennpunktschulen gezielt fördern will, um die Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen der Schüler zu verbessern. Ein Tropfen auf den heißen Stein, heißt es vom Institut der deutschen Wirtschaft, das empfahl die Maßnahmen schnell zu evaluieren und darauf basierend das Programm auszuweiten. (Handelsblatt), Mehr Details auf bildungsklick.de

Ein paar Milliarden sind besser als gar keine Milliarden, also immerhin ein Anfang. Und bitte früher investieren, nämlich in die Kitas! Damit verlässliche Betreuung nicht mit Abstrichen an der Qualität erkauft werden muss

Das Appetithäppchen zum Wochenende: Kita-Kinder sind gerade im Paw-Patrol-Fieber. Noch nie gehört? Serien-Helden sind Hunde, die dafür sorgen, dass es anderen wieder gut geht. Viele Eltern stören sich an der Vermarktung und der Machart der Serie.

Im Interview mit dem Tagesspiegel gibt Medienpädagogin Kristin Langer Tipps, wie Eltern mit der Paw-Patrol-Begeisterung ihrer Kinder – und ihrer eigenen Ablehnung – am besten umgehen. Knüpfen Sie ein Gespräch mit ihren Kindern über Hilfsbereitschaft und Wertschätzung an. Verhehlen sie nicht was Ihnen an der Serie nicht gefällt, bleiben Sie dabei aber präzise und vermeiden Sie pauschale Ablehnung.

Uns bleibt da nur abschließend zu sagen: Bleiben Sie heiter und gelassen!

Ihre Kita-Stimme.berlin