Presserückblick KW 50/2023

Ende des Tarifstreits, Berliner Kita-Gipfel und die Hoffnung auf eine Hauptstadtzulage für alle Träger – diese und weitere Themen gab es diese Woche.

Berlins Finanzsenator Stefan Evers freut sich über den Tarifabschluss der Länder für ihre Beschäftigten. Und ganz besonders freut es Evers, dass die Hauptstadtzulage in den Tarifvertrag der Länder aufgenommen wird und damit erhalten bleibt.
berlin.de

Überraschung!

Profitieren nun zukünftig auch die Beschäftigten der freien Kita-Träger in Berlin von der von der Hauptstadtzulage? Wir Träger aus unserem Aktions-Bündnis Kita-Stimme.berlin sehen das so. Jedenfalls lässt sich das aus einem Passus in dem Einigungspapier schließen, mit dem Land und Gewerkschaften diese Woche das Ende des Tarifstreits besiegeln. Dort heißt es, dass die „vom Land Berlin bislang außertariflich an Beschäftigte und Auszubildende gezahlte Hauptstadtzulage von der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TVL) und den Gewerkschaften tarifiert“ werde.

Für uns bedeutet das Verhandlungsergebnis: Berlin muss die Hauptstadtzulage ab 1. Oktober 2023 rückwirkend für alle Träger finanzieren. Denn im Rahmenvertrag zwischen freien Trägern und dem Land Berlin ist festgehalten, dass die Tarifergebnisse „in ihren jeweils zutreffenden Teilen“ auch auf die Personalkosten für das Fachpersonal in Kitas angewandt werden müssen. Es wäre ein Ende der ungleichen Bezahlung von Kita-Fachkräften in freien Kitas im Verhältnis zum Personal in den landeseigenen Kitas. Es wäre ein Ende der historischen Schieflage im Wettbewerb um Fachkräfte.
kita-stimme.berlin/hauptstadtzulage

Tagesspiegel-Redakteurin Susanne Vieth-Entus weist darauf hin, die freien Träger könnten sich womöglich zu früh freuen. Das Tarifergebnis müsse noch durch die Senatsverwaltung für Finanzen geprüft und abgenickt werden. Danach werde geprüft, welche Tarifergebnisse in die Rahmenvereinbarung mit den Kita-Trägern einfließen. Das heißt, hier kann noch diskutiert werden.
tagesspiegel.de (paid)

Zahl der Woche

36 Millionen Euro würde es Berlin kosten, profitierten die freien Träger in Zukunft ebenfalls von der Hauptstadtzulage.
tagesspiegel.de

Bleiben wir in Berlin. Erstmals seit 2018 hat die für Bildung zuständige Senatsverwaltung etwa 80 Fachleute Verbänden und Kita-Trägern zum „Kitagipfel“ zusammengerufen. Es gab frische Zahlen von der Bildungssenatorin. Es gab Lob für gut funktionierende Bereiche wie das Qualitätssicherungssystem. Aber natürlich gibt es auch wunde Punkte – allen voran Unterfinanzierung und Fachkräftemangel als drängendstes Problem der Kita-Träger. Die Details haben wir auf Kita-Stimme.berlin für Sie aufbereitet.
kita-stimme.berlin/kita-gipfel-2023

Und sonst so? Ahhhh, Pisa reloaded. Die Schockwellen der aktuellen Pisa-Ergebnisse durchzitterten auch diese Woche noch die Gazetten.

In der FR hat sich beispielsweise Ulrike Bahr zu Wort gemeldet. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Familienausschusses meint, eine Gesellschaft könne es „nicht einfach hinnehmen“, dass sprachliche und andere Fähigkeiten der Kinder „schon vor dem Schuleintritt immer weiter auseinandergehen“ – abhängig vom sozialen Status und Bildungsstand der Familie und der Sprache, die zuhause gesprochen werde. Bahr fordert deswegen, bei der Finanzierung und Ausstattung von Kindertagestätten sozio-ökonomische Kriterien endlich verstärkt zu berücksichtigen und Schluss zu machen mit der Verteilung von finanziellen Mitteln nach dem Gießkannenprinzip.
(Frankfurter Rundschau)

Das ist im föderalen Bildungssystem bekanntlich alles nicht so einfach und kleinste gemeinsame Nenner müssen mühsam mit den Ländern ausgehandelt werden.

Vorstoß der Woche

Bundesbildungsministerin Bettin Stark-Watzinger sähe es deswegen gern, bekäme der Bund mehr Handlungsspielraum, um bei Bildungsthemen schneller voranzukommen. Dazu müsste es allerdings Änderungen am Grundgesetz geben. Die Ministerin schlägt zudem vor, die Zuständigkeit für Kitas als Bildungseinrichtungen von den Familienministerien in die Kultusministerien zu verlagern.
news4teachers.de

Zitat der Woche

„Der Kita-Ausbau war keine bildungspolitische Maßnahme, sondern eine indirekte Form von Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. Die Eltern sollten dem Arbeitsmarkt flexibel zur Verfügung stehen. Es ging nicht um die Kinder.“ (Der Soziologe Aladin El-Mafaalani im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“)

Okay, so kann man das natürlich auch sehen. Aber es ist natürlich kein Plädoyer gegen den Kitaplatz-Ausbau, es geht ja um die Qualität der Einrichtungen und die Frage, warum es zu dem Pis-Befund gekommen ist. Nun stellte die Bertelsmann Stiftung in ihrem Länder-Monitoring auch noch fest, dass inzwischen 9,1 Prozent des pädagogischen Personals in Kitas keine entsprechende Berufsausbildung hat (in Berlin:16,1 Prozent) – Tendenz steigend. Das hat natürlich Gründe. Hier geht es zum kompletten Überblick über das Qualifikationsniveau >>>

Uns als freien Trägern geht es jedenfalls immer um die Kinder und um die Frage, wie wir sie alle bestmöglich fördern können und zwar so früh wie möglich. Und wir wollen genügend gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher einstellen und bezahlen können, um diesen wichtigen Bildungsauftrag zu erfüllen. Verabschieden wir uns für diese Woche mit der

Personalie der Woche

An der Spitze der Kultusminister(innen)-Konferenz KMK übergibt die amtierende Präsidentin, Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) 2024 den Staffelstab an ihre saarländische Amtskollegin Christine Streichert-Clivot (SPD), die auf der 384. KMK-Sitzung zur Präsidentin gewählt wurde. Sie tritt an mit der Leitidee „Bildung in Zeiten des Wandels – Transformation mutig gemeinsam gestalten“.

Gestalten Sie mutig ihr Wochenende!

Ihre Kita-Stimme.berlin