Presserückblick KW 48/2023

Die Bertelsmann-Stiftung belegt mit einer neuen Studie erneut den eklatanten Mangel an Kita-Plätzen und Personal. Auf dem Berliner Kita-Gipfel verweist Bildungssenatorin Günther-Wünsch dennoch auf Fortschritte.

Das Thema Fachkräftemangel brennt den Kita-Trägern weiter unter den Nägeln und bleibt auf der Agenda ganz oben. Die akute Krankheitswelle dünnt das ohnehin knappe Personal aus.
Bundesweit kämpften derzeit erneut viele Kitas mit einer hohen Zahl an Personalausfällen, sagt Waltraud Weegmann Vorsitzende des Deutschen Kitaverbandes, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Deutsche Kitaverband warnt vor Kita-Schließungen. Die Fachkräfteproblematik müsse rasch angegangen werden, sonst drohe der Kollaps, so Weegmann.
tagesschau.de

Machen wir es konkret: In Berlin fehlen 20 000 Kita-Plätze. Viele Familien finden keinen Kita-Platz, weil den Kitas sogar das Personal fehlt, um bereits vorhandene Plätze zu aktivieren. Das geht aus dem aktuellen Ländermonitoring frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann-Stiftung hervor, das in dieser Woche veröffentlicht wurde. Besonders eklatant ist der Mangel an Betreuungsplätzen für unter Dreijährige: 59 Prozent benötigen einen Kita-Platz, davon stehen aber nur 42 % ein Platz zur Verfügung. Gleichzeitig sind die Gruppen in den vorhandenen Einrichtungen zu groß. Bei den unter Dreijährigen ist eine Fachkraft für acht Kinder zuständig.
(Tagesspiegel)

Zitat der Woche I
„Es ist davon auszugehen, dass die Kitas in Berlin aktuell ihren Bildungsauftrag für die Mehrheit der Kinder nicht erfüllen können.“
(Kathrin Bock-Famulla, zuständig für frühkindliche Bildung bei der Bertelsmann-Stiftung im Tagesspiegel)

Die Situation in den Kitas ist äußerst angespannt, bundesweit. Die Lage sei „untragbar“, sagt Anette Stein, Expertin der Bertelsmann-Stiftung, in einem ZDF-Beitrag. Und der Bedarf an Kita-Plätzen steige weiter.
zdf.de (2-Minuten-Video)

Zurück nach Berlin: Mehr Fachkräfte und Kita-Plätze war Thema auf dem Berliner Kita-Gipfel, bei dem sich Senatsverwaltung und Träger diese Woche trafen. Die Berliner Mopo zitiert Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, die den Fachkräftemangel in Kitas zwar ernstnimmt, aber dennoch auch auf die seit Jahren steigende Anzahl der Fachkräfte verweist.
morgenpost.de (paid)

Zitat der Woche II
„In der Bildungspolitik schaffen Sie es nicht, in einer Legislaturperiode zu zeigen, dass Sie Qualität produziert, Schulen gebaut, Kitas ausgebaut haben. Dass Sie auch strukturelle Änderungen vorgenommen haben. Dafür brauchen Sie länger“.
(Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch im Interview mit dem Tip Berlin)

Gestreikt wurde in Berlin diese Woche auch wieder: Etliche Eltern von in landeseigenen Kitas betreuten Kindern mussten sich eine alternative Betreuungsmöglichkeit suchen. Das Personal streikt um 10,5 Prozent mehr Gehalt.
tagesspiegel.de

Die ganze Misere spielt sich natürlich auf dem Rücken der Eltern ab. Sie sind immer der Puffer. „Eltern, heult lauter!“ fordert deswegen Autorin Frieda Thurm in einem Beitrag für Zeit Online. Es brauche einen Elternstreik. Eltern müssten die Arbeit immer dann niederlegen, wenn ihre Kleinkinder nicht mehr so betreut werden könnten, dass das Kindeswohl gewahrt sei. Ein Elternstreik, der erst dann endet, wenn Konzernchefs von VW bis Siemens am Kanzleramt auf der Matte stehen und ein Krisengespräch fordern.
zeit.de (paid)

Wo der Staat schwer hinterherhinkt, puffern die Eltern die Misere ab – bis sie zusammenbrechen. Doch der Mangel an Kinderbetreuungsplätzen wird inzwischen auch für die Unternehmen zum wirtschaftlichen Risiko. Die Kitamangelwirtschaft habe das Zeug zur Wachstumsbremse, schreiben David Böcking und Maria Marquart im Spiegel. Unternehmen wie beispielsweise Boehringer Ingelheim finanzieren deswegen die Vermittlung privater Nannys und bezuschussen deren Gehalt, um selbst Fachkräfte zu gewinnen. Familienministerin Lisa sieht auch die Wirtschaft in der Pflicht: „Unternehmen sollten noch einmal prüfen, ob sie Betriebs-Kitas einrichten, insbesondere bei Schichtbetrieb“.
(Der Spiegel)

Zitat der Woche III
Die beste Investition meines Landes in jüngster Zeit ist es gewesen, rund 27 Milliarden Dollar in die frühkindliche Betreuung und Bildung zu stecken. Wir haben jetzt die höchste weibliche Erwerbsbeteiligung aller Zeiten. Bessere Kinderbetreuung hilft der Wirtschaft, zu wachsen“.
(Die kanadische Finanzministerin Chrystia Freeland bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank, Quelle: Der Spiegel)

Aufwachen, liebe Politik! Es gibt Investitionen, die sich wirklich auszahlen.

Werfen wir noch einen Blick in die Berliner Gerichtsbarkeit. In der Hauptstadt geht es mal wieder um die umstrittene Hauptstadtzulage:

Legal Affairs
Die Hauptstadtzulage für 124 000 Landesbedienstete (darunter auch Kita-Beschäftigte) beschäftigt weiter die Gerichte. Die Frage, ob die Regelung gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoße, steht weiter im Raum, diesmal stellt sie ein höherer Beamter, der nicht in den Genuss der Hauptstadtzulage kommt. Sollte das Berliner Verwaltungsgericht von einem Verstoß ausgehen, müsste das Gericht den Fall zunächst dem Verfassungsgericht vorlegen.
tagesspiegel.de

Freie Kita-Träger in Berlin hatten ebenfalls gegen die Hauptstadtzulage geklagt, die Klage wurde allerdings aus formalen Gründen abgewiesen. Hier geht’s zur Begründung >>>.

Wir schließen die Woche mit einem Abstecher zum 12. Forum Frühpädagogik im Jüdischen Museum in Berlin – organisiert von Stiftung Kinder Forschen, unserem Mitglied Fröbel und unterstützt von der Kita-Stimme.berlin. Auf dem Plenum ging es um die Frage, wie Kinder schon früh Mitbestimmung lernen und damit Demokratie quasi in sich aufsaugen. Wesentlich dabei: Eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit! Mehr Information hier.

Wir sagen Ja zur Kultur der Fehlerfreundlichkeit und zur Demokratie.

Bleiben Sie dran!

Ihre Kita-Stimme.berlin