Presserückblick KW 26/2024

Welche Maßnahmen helfen am besten, gleiche Bildungschancen für benachteiligte Kinder zu gewährleisten. Dazu gab es ein paar Ideen. Und es gab mal wieder Streik in Berlins Kitas.

Am Donnerstag dieser Woche hat Verdi die Beschäftigten der kommunalen Kitas in Berlin erneut zum Streik für einen besseren Personalschlüssel aufgerufen.
rbb24.de

In der „taz“ greift Finanzsenator Stefan Evers zur Feder, um auf den offenen Brief des taz-Ressortleiters Gereon Asmuth zu antworten, der ihm vorgeworfen hatte, sich dem Dialog mit den Streikenden komplett zu verweigern.

Evers kontert in der taz mit klaren An- bzw. Absagen. Es sei üblich, sich an geltende Regeln zu halten, in diesem Fall diejenigen der Tarifgemeinschaft der Länder: „Wenn es den Gewerkschaftsspitzen weniger um die Sache als um Tarifverhandlungen als Selbstzweck geht, dann lande ich doch wieder bei den Regeln: Die nächsten Tarifverhandlungen finden 2026 statt. Bis dahin sorgt der frisch erreichte Tarifabschluss für Klarheit und Orientierung. Und vor allem hilft er dabei, nicht immer wieder die gleichen Fragen diskutieren zu müssen“.
taz.de

Die „Mopo“ wirft noch einmal einen genaueren Blick auf die Kritik einiger kommunaler Kita-Leitungen an Verdi. Diese kritisieren, sei seien nicht rechtzeitig über die Streikaufrufe informiert worden. Das hätte es erschwert, Notbetreuungen zu organisieren. Verdi habe sich inzwischen mit den Kita-leitungen getroffen und verabredet, „weiter im Gespräch zu bleiben“.
(Berliner Morgenpost)

Gespräche sind gut, sie sorgen manchmal auch für neue Erkenntnisse, oder rufen Vergessenes in Erinnerung. So warnt Bildungsexperte Olaf Köller in der „Welt“ davor, sich auf die Kita-Präsenzpflicht als alleiniges Mittel zu verlassen. Die Präsenzpflicht alleine führe noch nicht zu einer guten (sprachlichen) Vorbereitung der Kinder für die Schule:

Zitat der Woche

Eine Kitapflicht ist nur dann sinnvoll, wenn man sie mit guten Angeboten verbindet. Schon heute gehen weit über 90 Prozent der über Dreijährigen in eine Kita. Dadurch allein werden die Probleme aber nicht gelöst. Wir brauchen spezielle Programme, die die Kinder fit für die Grundschule machen
(Bildungsexperte Olaf Köller in der „Welt)

Es geht ja bekanntlich darum, vor allem diehjenigen Kinder gezielt abzuholen, die am meisten benachteiligt sind, damit sie gesellschaftlich nicht abgehängt werden.
Sorgen bereitet in Deutschland, dass etwa 20 Prozent der Kinder eines Geburtenjahrganges in armen und bildungsfernen Familien geboren werden, schreiben dazu der Kinderarzt Ulrich Fegeler und die Journalistin Regine Hauch in der „Zeit“. Die Mitinitiatoren des Deutschen Kinderbulletins plädieren statt eines ständigen „Reparaturbetriebs“ für einen anderen Weg:

Früherkennungsuntersuchungen in den Kinderarzt-Praxen sollen helfen, früh „Gefährdungslagen“ zu erkennen und mit gezielter Förderung in Kitas und Unterstützung der Eltern zu verknüpfen. „Sozialraumlotsen“, die Familien zuhause besuchen sollen gewährleisten, dass die Kinder bessere Entwicklungsmöglichkeiten bekämen.
zeit.de

Zahl der Woche

Etwa 150 000 Kinder eines Geburtenjahrgangs in Deutschland weisen sprachliche, kognitive und intellektuelle Defizite auf.
(Quelle: Gastbeitrag Deutsches Kinder-Bulletin in „Die Zeit“)

Kinder, Kinder: Weitere Erkenntnisse der Woche

Jobs und Kitas machen Lust auf Familie“ betitelt die FAZ den jüngsten OECD-Bericht zu gesellschaftlichen Trends („Society at a Glance 2024“). Ein Ergebnis: Gibt es gute Arbeitsbedingungen und Jobs, vor allem für Frauen, steigt auch die Geburtenrate. Wichtig dabei sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (unter anderem eine gute Kita-Infrastruktur). Anders als in den 70ern, als sich die Erwerbstätigkeit von Frauen noch negativ auf die Geburtenrate ausgewirkt habe, kehre sich der Trend seit den 1990er Jahren um: Frauen mit guten Jobs bekommen auch mehr Kinder. Geldtransfers an Familien hätten dagegen kaum oder keine positiven Effekte.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Dennoch geht die Geburtenrate in den Industrienationen weltweit insgesamt weiter zurück: Die „Welt“ nennt auch Wohnungsknappheit als einen der durch die OECD-Studie ausgemachten Gründe. Interessant auch: Dort wo Väter verstärkt in die Erziehungsarbeit einsteigen, merken sie wie anstrengend das ist, und sprechen sich in der Familienplanung oft gegen ein weiteres Kind aus.
(Die Welt)

Fachkräftemangel versus Kindermangel

Derzeit herrscht in vielen Teilen Deutschlands allerdings kein Kindermangel, sondern eher ein Mangel an Kita-Fachkräften, um die Kleinen zu betreuen. Um mehr Menschen eine bezahlte Ausbildung als Erzieherin oder Erzieher zu ermöglichen, fördert das Land Hessen ab Herbst auch die Ausbildung in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe wie Wohngruppen oder Heime. Diese sind nun auch antragsberechtigt für die sogenannte praxisintegrierte
vergütete Ausbildung (PivA). Ein Puzzleteil immerhin.
tagesschau.de

Zu den Kuriositäten einer insgesamt anhaltenden Mangellage bei Kitaplätzen und Fachpersonal gehört, dass es punktuell tatsächlich auch mal in die andere Richtung gehen kann – wie derzeit in Pankow: Dort gibt wegen des leichten Rückgangs an Kindern im einst kinderreichsten Bezirk derzeit mehrere hundert freie Kita-Plätze. Im Sozialausschuss des Bezirks ist man sich einig, die Plätze unbürokratisch geflüchteten Familien mit kleinen Kindern anzubieten. Entlastet werden sollen vor allem alleinerziehende Mütter, die Integrationskurse besuchen wollen.
(Berliner Morgenpost)

Wir sind sicher, die Plätze können belegt werden, wenn das entsprechende Personal auch vorhanden ist.

Schönes Sommer-Wochenende!
Ihre Kita-Stimme.berlin