Presserückblick KW 25

Der Kita-Streik bewegte Berlin diese Woche erneut heftig und spaltet die Elternschaft. Außerdem liegt der aktuelle nationale Bildungsbericht vor – mit aufrüttelndem Befund.

Diese Woche gab es erneut Warnstreiks in kommunalen Kitas – aufgerufen von Verdi und unterstützt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es geht wie schon in den vorangegangenen Streiks seit 6. Juni um bessere Arbeitsbedingungen und Entlastung des pädagogischen Personals. In den 280 landeseigenen Kitas sind 7000 Erzieherinnen und Erzieher beschäftigt. Sie betreuen 35 000 Kinder.
berliner-zeitung.de

Ein Ende der Streiks ist nicht in Sicht: Für den Berliner GEW-Landesvorsitzenden Tom Erdmann könnten die Kita-Streiks noch jahrelang weitergehen. Das sagte er in der aktuellen Interview-Episode mit „Herr Fechner lädt zum Gespräch“. Der Bildungs-Podcast des langjährigen Elternvertreters im Bezirk Pankow, Marco Fechner, fühlt Akteuren des Berliner Bildungsbetriebs in Tiefeninterviews auf den Zahn.
https://podbjf.podigee.io/#latest-episode-player

Keine Frage, die Streiks sind eine Belastung für die berufstätigen Eltern. Denn viele Kitas bieten nur eine Notbetreuung an, manche bleiben kurzfristig ganz geschlossen. Die Debatte polarisiert zunehmend, und die Unterstützung für die Streikstrategie bröckelt auch in der Elternschaft. Bevor im Kampfgetümmel verloren geht, wer wann was gesagt hat oder denkt, hier eine kleine Zusammenfassung der verschiedenen Stimmen:

Die Streik-Positionen im Überblick

  • Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, die Geschäftsleitungen landeseigener Kitas würden in einem Vorabschreiben an die Eltern „Falschinformationen“ verbreiten – etwa über die Anzahl der Streiktage. Ebenso würden Mitarbeitende verunsichert, in dem ihnen „suggeriert würde, es bestehe im Fall einer Kita-Schließung während eines Streiks kein Krankenschutz“. Die Streiks sollen mit Falschinformationen diskreditiert werden, glaubt Verdi.
    (Neues Deutschland)
  • Weiterhin nicht gesprächsbereit zeigt sich Finanzsenator Evers. Auf der Plattform X (und im Tagesspiegel) bezeichnete er den Arbeitskampf als „Sinnlos-Streik auf dem Rücken der Eltern“. Die Linke greift den Post auf. Die Forderung nach einem Tarifvertrag, der die Zahl der Kinder pro Erzieherin regle, sei deshalb mehr als berechtigt – und dafür zu streiken ein Grundrecht.
    linksfraktion.berlin
  • Die Elternschaft ist gespalten: Nach fast 20 Streiktagen in den vergangenen zwei Jahren distanziert sich nun der Landeselternausschuss (LEA), obwohl er die Streiks anfänglich unterstützt hatte. Die Taktik des „mit-dem-Kopf-durch-die-Wand“ sei offenbar nicht erfolgreich. Der Rückhalt der Eltern schwinde, sagt Landeselternsprecher Norman Heise.
    tagesspiegel.de
  • Der Landeselternverband Kita (LEAK) hatte sich bereits im Vorfeld von der Streik-Taktik distanziert, die über die Wut der Eltern den Senat zum Einlenken bringen soll. LEAK-Sprecher Guido Lange schätzt, nur 20 Prozent der Eltern würden den Streik unterstützen, und unterstellt, das Streikgebaren Verdis habe möglicherweise mit den Personalratswahlen im Herbst zu tun.
    tagesspiegel.de
  • Die Elterninitiative Einhorn sucht Bildung solidarisiert sich allerdings mit den Streikenden und unterstützt die Forderung der Gewerkschaften nach einer Entlastung des pädagogischen Personals
    https://beak-pankow.de/

Und in der „taz“ richtet Ressortleiter Gereon Asmuth, Vater zwei Kita-Kinder, einen aufgebrachten, bösen Brief an den hartleibigen Gesprächsverweigerer und Finanzsenator Evers. Sein „_etwas kindisches ,Nein, Nein, Nein – diese Streikforderungen ess ich nicht_, sei nicht mehr anders zu erklären als dadurch, dass er vermutlich keine Kinder habe. taz.de

Der Verband der kleinen und mittelgroßen freien Kitaträger (VKMK) warnt – obwohl der VKMK die Verdi-Forderungen auf den ersten Blick berechtigt findet – dass ein separater Tarifvertrag für die kommunalen Kitas das Berliner Kita-System spalten könne.
vkmk.de

Zum Geschehen ein Wort von Bertolt Brecht: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehen betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.”

Meanwhile in Bundes-Berlin…
…erscheint der neue nationale Bildungsbericht. Er belegt die Verfestigung der sich seit Jahren abzeichnenden Befunde: Fachkräftemangel in den Kitas vor allem im Westen bei den ganz Kleinen, anhaltende soziale Ungleichheit, Integration von Zugewanderten. „Das Bildungssystem arbeitet am Anschlag und steht unter großem Anpassungsdruck“, warntKa i Maaz, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF). Auch dabei: Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und Christine Streichert-Clivot (SPD), Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und saarländischen Bildungsministerin. (Neues Deutschland, FAZ)

Zitat der Woche
Es fängt damit an, dass Kinder ausländischer Eltern seltener in die Kita gehen, die Zahlen bei den Drei- bis unter Sechsjährigen sind sogar rückläufig. Das muss uns wachrütteln! Offenbar gelingt es nicht ausreichend, den Familien bewusst zu machen, dass ihr Kind davon profitiert, wenn es eine Kita besucht. Kinder- und Jugendarbeit müssten stärker mit einbezogen werden, etwa in Familienzentren, wo Eltern direkt angesprochen werden können“.
(Kai Maaz, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) und Bildungsbericht-Autor in „Die Zeit“)

Ja, und wie kann man Abhilfe bundesweit besser koordinieren, obwohl die Bildungsverantwortlichkeiten in den Ländern oft in so unterschiedlichen Händen liegen? Darum ringt die beispielsweise die KMK:

Dickstes Brett der Woche
Die Kultusministerkonferenz (KMK) ringt um eine flexiblere Struktur für die Zukunft. Ziel ist es, das Einstimmigkeitsprinzip zu überwinden und mit qualifizierten Mehrheiten zu schnelleren Entscheidungen zu kommen. Schwachpunkt ist auch, dass KMK-Beschlüsse keine bindende Wirkung für die Länder haben.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Gibt es noch etwas leichtfüßiges für’s Wochenende? Diesmal leider nicht.

Bleiben Sie stark!

Ihre Kita-Stimme.berlin