Presserückblick KW 24

Der Kita-Warnstreik führt in Berlin zu Debatten unter den Eltern. Und: Die Anschlussfinanzierung des Bundes für Kitas steht ernsthaft auf dem Spiel.

Nach dem ersten Warnstreik am Donnerstag vergangener Woche hat Verdi diese Woche erneut in 282 landeseigenen Kitas in Berlin einen dreitägigen Warnstreik ausgerufen. Am ersten Warnstreik hatten sich nach Angaben von Verdi 2500 Beschäftigte beteiligt, bis zu zwei Drittel der kommunalen Kitas seien geschlossen geblieben. Es geht um einen eigenen Tarifvertrag für einen besseren Personalschlüssel sowie eine bessere Ausbildung von Fachpersonal.
(dpa via Tagesspiegel)
Mehr Hintergründe zum Verdi-Streik finden Sie auch auf Kita-Stimme.berlin.

Streik, Streik, Streik
Die Streiks belasten natürlich auch die Eltern, die oft nicht wissen, wie sie spontan die Betreuung ihrer Kinder organisieren sollen. Viele Eltern unterstützen zwar die Streiks, allerdings gibt es auch Kritik.

Das „Neue Deutschland“ hat die aktuellen Debatten in der Elternschaft zusammengefasst. Autor Christian Lelek schreibt, es brauche das solidarische Bündnis zwischen Eltern und Streikenden, um in den Kitas bessere Bedingungen durchzusetzen. Bündnisse zwischen Beschäftigten und Eltern würden, je länger der Arbeitskampf dauere, auf die Probe gestellt. Lelek kritisiert die Stellungnahme des Landeselternausschusses Kita (LEAK), der sich von den Streiks distanziert hatte. Der LEAK ist zwar mit Verdi und der streikunterstützenden GEW ein Teil des Berliner Kita-Bündnisses, glaubt aber, durch die Streiks erhöhe sich lediglich der Druck auf die Eltern, nicht auf die Politik. Sich auf diese Art offen gegen den Streik zu positionieren, halten andere Eltern, von der Initiative Einhorn sucht Bildung, allerdings für „kurzsichtig“.
nd-aktuell.de

Zitat der Woche I
„Ich finde es wirklich erschütternd, dass wir uns gegenseitig in den Rücken fallen und den wohlberechtigten Streik untergraben, obwohl es eigentlich um bessere Arbeitsbedingungen für die Erzieher*innen und Verbesserungen für Kinder und Eltern geht“ (Yvonne Kittler von der Elterninitiative Einhorn sucht Bildung in nd-aktuell.de)

Solidarität für den Streik zeigen auch andere. In der „Berliner Zeitung“ schildern zwei freiberuflich arbeitende Elternteile, wie die Streiks sie im Alltag belasten, wie sie versuchen Betreuung zu organisieren. Aber auch, warum sie den Streik trotz aller Belastungen dennoch unterstützen.
Ihr bestraft die Falschen!“ macht dagegen eine Mutter ihrer Wut über die Streiks im Tagesspiegel Luft. Als gebürtige Schweizerin werde sie die deutsche Streikkultur wohl niemals verstehen, sagt sie:

Zitat der Woche II
„_In meiner Heimat wird fast nie gestreikt: Man spricht miteinander und versucht,
eine Lösung zu finden, mit der alle leben können. Und sind die Sozialpartner unzufrieden, können sie sich mit einer Volksinitiative oder einem Referendum wehren._“
(Maja Sommerhalder, Schweizerin und Mutter in Berlin im Tagesspiegel)

Uneinigkeit und Debatten gibt es auch in anderen Interessenvereinigungen:

NEWS NEWS NEWS
Im Verband der Bildungswirtschaft Didacta findet ein Machtkampf um die Vorstandsposten statt. Fünf neue Kandidaten drängen in die Führungsriege, darunter auch Stefan Spieker, Chef des freien Kita-Trägers Fröbel. Jürgen Böhm, dessen Doppelrolle als Staatssekretär im sachsen-anhaltinischen Bildungsministerium kritisiert wurde, tritt zurück.
table.media

Bundespolitik
Positive Neuigkeiten würden man sehr gerne auch hören, was das Investment des Bundes in Kita-Qualität und Ausbau anbelangt. Doch lassen weiterhin auf sich warten:

In der „Südwestpresse“ macht Autor Michael Gabel dafür die Bundesfamilienministerin Lisa Paus verantwortlich. Er greift die FDP-Forderung auf, die frühkindliche Bildung vom Familienministerium in die Hände des Bildungsministeriums zu übergeben, allerdings unabhängig von parteipolitischen Spielchen. Das Thema Kita werde trotz offenkundiger Probleme, wie zum Beispiel Sprachdefizite oder Fachkräftemangel, in Lisa Paus‘ Ministerium mit Geringschätzung behandelt und das Ministerium wolle ab 2025 zwei Milliarden Euro für den Ausbau der Kita-Qualität einsparen, ebenso sollten die Bundeshilfen für den Kita-Ausbau gestrichen werden.
swp.de

Offen bleibt natürlich, ob das Bundesbildungsministerium tatsächlich andere Prioritäten in der frühkindlichen Bildung setzen würde.

Die von der FDP angezettelte Zuständigkeitsdebatte hält Zeit-Autorin Johanna Schoener deswegen für ein Ablenkungsmanöver. „Gestresste Familien? Ach egal“ titelt sie und geißelt die Phrasen („Kinder sind unsere Zukunft“), die Versäumnisse und Scheindebatten in der Kitapolitik. Dass der Bund angesichts der dramatischen Notlage in Kitas es nun noch nicht geschafft hat ein fortführendes Kita-Investitionsprogramm auf die Beine zu stellen ist für sie eine nicht nachvollziehbare politische Ignoranz. Der Alltag von Millionen Menschen würde sich sofort verbessern, wären Kitas gut ausgestattet.
zeit.de

Dennoch könnte man möglicherweise zukünftige Zuständigkeits-Debatten vermeiden, wenn die Kita-Politik generell in den Bildungsministerien angesiedelt wäre, und zwar nicht nur im Bund, sondern auch in den Ländern.
Stoff zum Debattieren gibt es also genug.

Wir bleiben für Sie dran. Bleiben Sie heiter!
Ihre Kita-Stimme.berlin