Presserückblick KW 23

Streik, Streik, Streik und wie der Senat beim Thema Hauptstadtzulage auf Zeit spielt. Diese und weitere Themen prägten die Kita-Woche.

In Berlin tobte diese Woche der sprichwörtliche Bär. An diesem Donnerstag begannen die Warnstreiks bei etwa jeder zehnten der 280 landeseigenen Kitas, zu denen die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Es geht um mehr Kita-Personal, um die Situation der überlasteten Erzieherinnen und Erzieher zu verbessern. Der Senat hat bislang Gespräche verweigert. An diesem Donnerstag beteiligten sich rund 2500 Pädagoginnen und Pädagogen. Weitere Streiks könnten nächste Woche folgen.
rbb24.de

Die Mopo wirft einen Blick auf die angespannte Situation in den Kitas. Bianca Klein, Erzieherin in einer Kinderkrippe in Neukölln schildert wie die Personalnot zu Engpässen führt und kleine Kinder in der Eingewöhnungsphase dann nicht mehr so betreut werden könnten, wie es nötig wäre. Statt Ausflüge zu machen, versuche man, einfach nur den Alltag zu meistern. Zehn Plätze blieben wegen Personalmangels unbesetzt.

Zitat der Woche I
„Das grenzt teilweise an institutionelle Kindeswohlgefährdung“.
(Bianca Klein, Erzieherin in Neukölln, Berliner Morgenpost)

Für die arbeitenden Berliner Eltern entstehen durch die Streiks ebenfalls herausfordernde Belastungen. Ihnen bleibt oft nur übrig, sich alternative Betreuungsmöglichkeiten zu suchen. Denn Kitas sind gesetzlich nicht verpflichtet, Notdienste anzubieten. Babysitter lassen sich immerhin von der Steuer absetzen. Oder man informiert den Arbeitgeber du versucht, Home Office zu vereinbaren.
(Tagesspiegel)

Berliner Eltern (wie viele ist nicht bekannt) haben deswegen einen offenen Brief an die Gewerkschaft Verdi gesandt. Der erneute Streik (nach den Tarif-Streiks vor einem halben Jahr) belaste vor allem die Eltern enorm und sei „das falsche Mittel“, heißt es darin. Die Politik könne „nicht einfach zusätzliche Erzieher herbeizaubern“.
berliner-zeitung.de

Kita-Personal lässt sich ziemlich sicher nicht durch weitere Einsparungen im Personalbudget des Bildungsressorts herzaubern:

Zahl der Woche
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) nahm 64 Millionen Euro aus ihrem milliardenschweren Personalbudget. Das entspricht einem Großteil des vom Finanzsenator geforderten Spar-Beitrags von zwei Prozent des Gesamtbudgets pro Ressort. Insgesamt spart der Senat 569 Millionen Euro ein.
(Berliner Morgenpost)

Das wirft natürlich Fragen auf. Die Streichung von Personalkosten klappe deswegen, weil viele Stellen in den großen Ressorts finanziert, aber nicht besetzt seien, heißt es in der Mopo. Was die Spar-Arie letztlich konkret für die Kita-Landschaft bedeutet, wird sich noch herausstellen.

In einem Fall kristallisiert sich das schon heraus. Im Zuge des Sparplans werden beispielsweise acht Milliarden Euro Fördergelder für Kita- und Spielplatzsanierung vom Senat zurückgehalten. Diese werden von Kitas benötigt, die wegen hoher Mieten in andere Räume verdrängt werden, die dann jedoch erst noch saniert werden müssen. Oder von Kitas, die sanieren müssen, um weiter ihren Betrieb aufrechterhalten zu können. Weil das Geld nicht fließt sind mehrere Kinderläden von der Schließung bedroht.
tagesspiegel.de (paid)

Heulie der Woche
Wie die „taz“ berichtet, spielt der Senat auch beim Thema Hauptstadtzulage für die Beschäftigten der freien Kita-Träger auf Zeit. Die hatte der Senat den freien Trägern zunächst versprochen. Die Zusage wurde später jedoch wieder einkassiert. Dabei sollte sie Bezahlungsgerechtigkeit herstellen: Ebenso wie die Beschäftigten der landeseigenen Träger sollte das bei freien Trägern angestellte Kita-Personal die Hauptstadtzulage von 150 Euro erhalten. Und genau das könnte der Senat mit den freien Trägern jederzeit vereinbaren. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor. Doch statt aktiv zu werden, verweist der Senat auf die angebliche Zuständigkeit der Tarifgemeinschaft der Länder (T-VL). Als freiem Träger kommen uns die Tränen angesichts dieser Hinhaltetaktik.
(die tageszeitung)

Und auch der Bund hat noch kein Geld für die Anschlussfinanzierung der Kitas ab 2025 locker gemacht. Weil die Finanzierung des Kita-Qualitätsgesetzes Ende des Jahres ausläuft klemmt sich nun auch der Internationale Bund als Unterstützer hinter die Kampagne und Petition “Jedes Kind zählt”.

Zitat der Woche II
Die frühkindliche Bildung ist zu Beginn der Lern- und Lebensbiografie eines Menschen die wichtigste Investition in die Zukunft. Was hier versäumt wird, kann im späteren Leben kaum noch ausgeglichen werden.”
(Thiemo Fojkar, Vorstandsvorsitzender des IB)

Um das Thema Bildung geht es auch beim diesjährigen Festival der Berliner Wirtschaft am 5. September im Ludwig-Erhard-Haus der IHK Berlin. Unter anderem geht es um die Frage, welche Kenntnisse Kinder bereits im Kita-Alter erwerben sollen, um gut vorbereitet zu sein für die weiteren Lern-Stationen in ihrem Leben. Retten Sie das Datum!
Zu weiteren Infos und Anmeldung hier entlang >>>

Lasset die Kindlein lernen. Am besten so früh und spielerisch wie möglich. Denn Kinder sind neugierig von Natur aus, wie ein mutmachendes Projekt aus Kreuzberg zeigt:

Lese-Tipp
Im Kinderlabor Curioso in Kreuzberg erkunden Kinder die Natur. Sie erforschen Photosynthese, Müllverwertung oder die Frage, ob Insekten Gefühle haben. Wie das funktioniert lesen Sie im Interview mit Curioso-Gründerin Sandra Grabisch.
dnr.de

Bewahren Sie sich ebenfalls Ihre Neugier, bleiben Sie offen und veränderungsbereit!

Schönes Wochenende wünscht

Ihre Kita-Stimme.berlin