Presserückblick KW 22

Die Aktionswoche des Berliner Kita-Bündnisses und die Bundespolitik prägten die Woche, zum Beispiel eine Neuverortung der Bildungspolitik in Bund und Ländern im Bildungsressort.

In Berlin wurde es diese Woche orange. Von einer orangenen Revolution kann aber noch keine Rede sein. Doch mit Orange als Signalfarbe wollte das Berliner Kita-Bündnis sich in dieser Aktions-Woche noch einmal für einen besseren Personalschlüssel in den Kitas einsetzen. Mehr Pädagogen und Pädagoginnen pro Kind brauche es vor allem bei der Betreuung der ganz Kleinen unter drei Jahren. Das Berliner Kitabündnis ist ein Zusammenschluss von Kita-Trägern, Elternvertretungen, Gewerkschaften und Instituten für pädagogische Forschung und Bildung.
(Tagesspiegel, Taz)

Wir bleiben in Berlin, wenden uns aber der Bundespolitik zu.

Vorstoß der Woche
Neu ist die Idee nicht, aber nun wird sie erneut vorgebacht, und zwar von FDP-Fraktionsvize Gyde Jensen und Ria Schröder, der bildungspolitischen Sprecherin der FDP-Fraktion (Bundes-FDP): Für die Kitas sollen künftig (nach der nächsten Wahl) im Bund und in den Ländern die Bildungsministerien zuständig sein. Bislang ist im Bund das Familienministerium mit Lias Paus zuständig. Auf Landesebene sind mal das Bildungsressort, oft aber das Familien- oder Sozialressort für die frühkindliche Bildung zuständig.
(Tagesspiegel)

Zahl der Woche I
„Geschätzt erbringt ein Euro Investitionen in Kindertagesbetreuung für die Gesellschaft vier bis fünf Euro Ertrag“.
(Ria Schröder, bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bund im Tagesspiegel, Quellenbasis der Schätzung unbekannt/d.Red.).

Warum eine einheitliche Strukturierung ein sinnvoller Schritt in die richtige Richtung wäre, analysiert Holger Schleper in Table.Media. Dabei zitiert er Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker so: „Die strukturelle Verortung von Kitas in den Bildungsressorts wäre ein großer Schritt nach vorn“. Spieker sagt, er begrüße es, wenn politisch Verantwortliche Kitas als Bildungsorte wahrnehmen und nicht die Betreuungsaufgabe in den Vordergrund stellten.
table.media

Die derzeit für die Kitas verantwortliche Bundesfamilien-Ministerin Lisa Paus (Grüne) hat nun unter Einbindung weiterer Bundesressorts, der Länder, der Kommunalen Spitzenverbände und anderer Akteure eine Gesamtstrategie mit mehr als 50 Empfehlungen vorgelegt, die helfen sollen, den Mangel an pädagogischem Fachpersonal in Kitas zu beheben. So sollen zum Beispiel die Berufsabschlüsse von ausländischem Personal schneller anerkannt werden und berufsbegleitend ermöglicht werden. Um den Erziehenden-Beruf attraktiver zu machen, sollen Fachkarrieren in den Kitas ermöglicht werden.
bmfsfj.de/gesamtstrategie-fachkrafte-in-kitas

Jede Maßnahme gegen die akute Überlastung des Kita-Personals ist willkommen. Denn der tägliche Druck und die Dauerbelastung sorgt nicht nur für Flucht aus dem Berufsfeld, sondern weckt bei vielen Beschäftigten den Wunsch, weniger Stunden in der Kita zu arbeiten. So wünschen sich 45 Prozent der Kita-Kräfte eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit, nur sieben Prozent würden gerne aufstocken. Diese Zahlen förderte eine Online-Befragung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) unter pädagogischen Fachkräften zutage. Die Zahlen zeigten, dass der derzeitige Betreuungsengpass das Potenzial besitzen, sich selbst zu verstärken, fürchten die Studien-Autoren.
news4teachers.de

Dann schauen wir doch gleich mal nach, was die Bund-Länder-Konferenz in Bremen zum Thema Kita so erbracht hat. Und siehe da: Es gab zwar das Paus‘sche Versprechen, sich für eine Anschluss-Finanzierung des Bundes für die Kitas ab 2025 einzusetzen, aber sonst nichts Konkretes. Eine Zusage, dass sich die Weiterfinanzierung in den Haushaltsverhandlungen mit dem Finanzminister durchsetzen lässt, gibt es nicht.
Immerhin haben sich Bund und Länder auf eine verstärkte Demokratieförderung in Kitas geeinigt. So sollen Kita-Kinder zum Beispiel beim Essen und der Auswahl der Spiele stärker mitreden dürfen. Das ist ja nicht Nichts.
news4teachers.de

Zurücklehnen geht aber gar nicht, denn: In manchen Bundesländern wie NRW ist der Personalmangel allerdings mittlerweile so drastisch geworden, dass Land und Kommunen darüber diskutiert haben, die täglichen Öffnungszeiten von neun auf sieben Stunden zu reduzieren.
(Welt am Sonntag)

Zahl der Woche II
50 000 bis 90 000 Fachkräfte werden im Jahr 2030 in westdeutschen Kitas noch fehlen.
(Quelle: BMFSFJ via Welt am Sonntag)

Video-Tipp
Wie sehr Fachkräfte sich bemühen und doch an ihre Grenzen stoßen schildert Ursula Günster-Schöning, Team-Weiterbilderin in Kitas, im Interview mit bildungsklick TV. (ca. 3 Minuten)
youtube.com

Beim Kita-Ausbau bleibt ebenfalls enormer Bedarf. Der DGB warnt nun vor möglichen Spar-Aktionen in diesem Bereich. DGB-Vize Elke Hannack fordert „massive Investitionen in einen flächendeckenden Kita-Ausbau“. Das ist vor allem an Finanzminister Lindner adressiert. Die Schuldenbremse dürfe „nicht zur Investitionsbremse für wichtige Zukunftsaufgaben werden“.
news4teachers.de

Obwohl Bildung natürlich eine Aufgabe der Länder und des Staates ist, wirbt Zeit-Autorin Katja Hintze für noch mehr privates Bildungsengagement, auch in Form von Geldspenden, um die vielen Bildungsengagierten im Land finanziell besser auszustatten. So ließen sich beispielsweise Patenschaftsprojekte oder Leseaktivitäten ausbauen.

Das eine tun und das andere nicht lassen, ist in diesem Fall sicher eine gute Idee.

Ein schönes Wochenende wünscht

Ihre Kita-Stimme.berlin