Presserückblick KW 21

Die Woche gehört dem Widerstand: Brandenburg demonstriert weiter gegen den Kita-Kollaps. Und das Bündnis Bildungswende jetzt! ruft erneut zu bundesweiten Protesten auf.

Es baut sich wieder Druck auf im Land, damit die Bildungsmisere endlich angegangen wird. Mehr als 270 Kitas und Horte in Brandenburg standen gegen den Kita-Notstand im Land auf. Und am Donnerstag rief das viele Organisationen übergreifende bundesweiten Bündnis Bildungswende jetzt! erneut zu Protestaktionen in mehreren Städten in den kommenden Wochen auf. Zur Ministerpräsidentenkonferenz am 20. Juni soll Kanzler Olaf Scholz eine Petition zum akuten Personalmangel in Kitas übergeben werden.
faz.net

Bereits vergangene Woche hatte die Initiative #NeustartBildungjetzt, die der sich 130 Organisationen und Verbände zusammengeschlossen haben, einen konkreten Fahrplan vorgelegt, wie die Bildungswende in Kooperation von Bund, Ländern und Kommunen gestaltet werden kann. Formiert hatte sich die Initiative im vergangenen Jahr. Das Konzept wurde von etwa 30 Organisationen ausgearbeitet.

Zitat der Woche
„Im Fokus des Konzeptes stehen die Bereitschaft zu Kommunikation und gezielter Zusammenarbeit. Wir müssen miteinander reden und einander zuhören, um gemeinsam Lösungen für eine wirksame Bildungsoffensive zu entwickeln. Die Zeit der Befindlichkeiten ist vorbei, Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur wenn wir sie als solche behandeln, werden wir ganzheitliche und wirksame Lösungen finden“.
(Anne-Mette Noack, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Teilnehmerin der Arbeitsgruppe zur Erarbeitung des Konzepts im Börsenblatt)

So und jetzt kommt die sengende Neuigkeit:

VERY HOT NEWS
Die Kultusministerkonferenz (KMK)hat sich grundsätzlich bereit erklärt, an den von der Initiative #NeustartBildungjetzt erarbeiteten Dialogformaten teilzunehmen. Eine „ganzheitliche und kooperative Herangehensweise“ sei erforderlich, sagt KMK-Präsidentin Christine Streichert-Clivot. Von den vielfältigen Problemen der Bildungslandschaft – von Fachkräftemangel bis hin zur Verwirklichung gleicher Bildungschancen – soll unter den Beteiligten zunächst ein Thema verabredet werden.
kmk.org

Gleichzeitig bauen die Länder im Zuge der laufenden Haushaltsverhandlungen des Bundes beim Thema Kita-Finanzierung Druck auf. Ende des Jahres läuft die Förderung des Bundes für die Kita-Landschaft aus. Und eine Anschlussfinanzierung des Bundes für gute Kitas ab 2025 schwebt noch im freien politischen Leer-Raum herum. Weil die Länder die Bildungsaufgabe als gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen sehen, hat der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, eine dauerhafte und verlässliche Finanzierung von Kitas mit guter Qualität sicherzustellen.
zwd.info

Käme es zu keiner Anschlussfinanzierung, hätte das konkrete Auswirkungen in den Ländern. Der NDR hat noch einmal zusammengefasst, was auf dem Spiel steht und was passieren muss.
ndr.de

Es wird also allerorten darauf gedrängt, die Karten endlich auf den Tisch zu legen. Dazu passt es, dass inzwischen auch die designierten, aber noch nicht endgültig gewählten, neuen Berliner SPD-Landesvorsitzenden Martin Hikel und Nicola Böcker-Giannini Farbe bekannt haben. Die beiden waren ja unter anderem angetreten mit dem Vorhaben, die sogenannte Kostenlos-Mentalität in der Hauptstadt auf den Prüfstand stellen zu wollen, darunter auch die Gebührenfreiheit für Kitas. Doch hey, so radikal wird’s dann doch nicht:

Überraschung der Woche
„Um es kurz und knapp zu machen: Nein, wir werden keine Kitagebühren einführen“, steckte Martin Hikel der Berliner Morgenpost. Und auch das 29-Euro-Ticket solle auch „nicht sofort“ abgeschafft werden. Immerhin haben sie es geschafft, mit diesen Themen die politischen Debatten der vergangenen Wochen zu bestimmen.
(Berliner Morgenpost)

Auch im Süden der Republik bewegt sich etwas: Dort setzen sich mit klitzekleiner Verzögerung inzwischen modernere Sichtweisen auf die Kita-Betreuung durch. „Kindergärten seien im Ländle und in Bayern lange als „DDR-Zwangsbetreuung verunglimpft worden“, sagte Baden-Württembergs Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Luchta beim Empfang der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Stuttgart. Inzwischen habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Kinderbetreuung wichtig sei, um die Gesellschaft wettbewerbsfähig zu halten. Ja, was sagt man dazu. Geschichte wird gemacht, es geht voran.
(epd)

Zahl der Woche
Fünf Millionen Frauen im erwerbsfähigen Alter gehen in Deutschland nicht arbeiten, weil sie keine verlässliche Kinderbetreuung oder Unterstützung für pflegebedürftige Angehörige haben.
(Quelle: Verein Wirtschaft ist Care via epd)

Die Frage, ob es sich ein Land sich in Zeiten des Fachkräftemangels leisten will, dieses Potenzial zu verschenken ist natürlich eine rein rhetorische.

Apropos Fachkräftemangel in Kitas: Die Lösungen müssen nicht neu erarbeitet werden, sie liegen längst auf dem Tisch. Eike Ostendorff-Servissoglu hat noch einmal zusammengefasst, welchen Maßnahmen die Notlage abmildern und mittelfristig beseitigen könnten ohne an der Bildungsqualität zu schrauben.
bildungsklick.de

Um den Kreis zu schließen, wünschen wir uns, dass das Thema Kita-Fachkräftemangel bei den Bildungswende-Dialogformaten mit der KMK zügig aufgegriffen wird. Als Praktiker haben wir uns damit natürlich auch schon beschäftigt und weisen in diesem Zusammenhang gerne noch einmal auf unser umfassendes Strategiepapier gegen den Fachkräftemangel hin.

Wo ein politischer Wille ist, wird sich auch ein Weg finden lassen.

Wir bleiben dran!

Ihnen ein entspanntes Wochenende

Ihre Kita-Stimme.berlin