Presserückblick KW 20

Was ist aus den bundesweiten Anstrengungen für eine bessere Bildung geworden?
Neues von der Initiative #NeustartBildungjetzt und mehr.

Vor rund einem Jahr haben sich 130 Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen zu der Initiative #NeustartBildungjetzt zusammengeschlossen und unter anderem für ein Sondervermögen Bildung für eine ausreichende Finanzierung von Kitas und Schulen plädiert, sowie für eine Ausbildungsoffensive, um mehr Fachkräfte zu gewinnen.
Nun hat eine Arbeitsgruppe aus 30 Organisationen die Idee eines Bildungsgipfels weiterentwickelt und ein Konzept vorgelegt, wie ein kooperativer Bildungsdialog zwischen Bund, Ländern und Kommunen gestaltet werden könnte. Bildungspolitiker bitte reinschauen!
neustart-bildung-jetzt.de

Packt es bitte endlich an, bevor Defizite bei den Bildungschancen die Gesellschaft weiter spalten. Und greift dabei auf die Expertise der Praktiker in Kitas und Schulen zu, denn an Ideen für eine gerechte und demokratische Bildung mangele es nicht, sagt auch die ehemalige Lehrerin und bildungsklick-Autorin Martina Zilla Seifert. Millionen von Menschen in den Einrichtungen sähen sich täglich mit einem Bildungssystem konfrontiert, das an allen Ecken und Enden an erheblichem Mangel leidet.
bildungsklick.de

Die traurige Mangellage lässt sich quer durch die Republik beobachten. Besonders die Kitas im Flächenland NRW stehen dramatisch unter Druck. Viele kämpfen ums Überleben, wenn das Land nicht bald mehr investiert. Eine Petition mit 35 000 Unterschriften fordert 400 000 Euro zusätzlich.
Videobeitrag von SAT.1 NRW

Auch in Brandenburg sind an diesem Mittwoch wieder viele Erzieherinnen und Erzieher auf die Straße gegangen, um sich für mehr Personal und eine bessere Betreuungsqualität einzusetzen.
(Märkische Allgemeine)

Die Kita-Krise sei auch „eine Arbeitsmarktkrise“, schreibt das Handelsblatt. Fachkräftemangel und fehlende Kita-Plätze kosteten die Wirtschaft „bis zu 22,7 Milliarden“, zitiert die Wirtschaftszeitung die Berechnungen von Analysten des Jobportals Stepstone. Dieses hat 2000 Eltern mit Kindern unter zehn Jahren zu ihrer beruflichen Situation befragt und anschließend das nicht ausgeschöpfte wirtschaftliche Potential von Eltern berechnet, die Vollzeit arbeiten möchten, es aber wegen der Betreuungssituation nicht können. Berliner Unternehmen wie Hellofresh bestätigen: ohne gesicherte Kinderbetreuung sei es „schwer, Talente für Berlin zu begeistern“.

Zahl der Woche
66 Prozent der 2000 von Stepstone befragten Eltern, die in Teilzeit arbeiten, sagen sie würden lieber Vollzeit oder vollzeitnah arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen dies zuließen, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung.
(Handelsblatt)

Weil inzwischen 31 Prozent der Angestellten nur Teilzeit arbeiten, entgehen dem Staat Steuereinnahmen. CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer will deswegen das Recht auf Teilzeit schleifen und fordert die Rückkehr zur 40 Stunden-Woche.
spiegel.de

Wäre es nicht besser, viel mehr Geld in die Hand zu nehmen, um eine ausreichende Kita-Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, damit die Teilzeit-Menschen (die meist Frauen sind/d.Red) freiwillig wieder Vollzeit arbeiten?

_Stern_-Autorinnen haben eine weitere Idee, die etwas zu einer zeitgemäßen Familienpolitik beisteuern könnte:

Idee der Woche
Das Ehegatten-Splitting, also ein Steuermodell, das in vielen Fällen dazu führt, dass der Mann Alleinverdiener ist und die Frau zuhause die Care-Arbeit macht, kostet den Staat
jedes Jahr fantastische 22 Milliarden Euro. Eine Summe, die man in Kitas und hochwertige Ganztagsbetreuung stecken könnte, schlagen die _Stern_-Autorinnen Catrin Boldebuck und Helen Bömelburg vor.
stern.de

Das wäre natürlich nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Doch auch Ökonomen warnen inzwischen regelmäßig davor, dass es noch teurer wird, wenn nicht rechtzeitig genügend Geld in die Bildung gesteckt wird:

Zitat der Woche
Unsere Berechnungen zeigen, dass ein Euro, der in den Ausbau der Krippen investiert wird, fünfmal effektiver ist als ein Euro, der in eine Erhöhung des Kindergelds gesteckt wird
(Der Passauer Ökonom Stefan Bauernschuster, Mitautor derer Ifo-Studie zu Zusammenhängen zwischen dem Angebot an Kitaplätzen und der Geburtenentwicklung/_FAZ_).

Wie sollen Kitas mit der Personalknappheit vorerst umgehen? Die Debatte, angestoßen von der Bertelsmann Stiftung, wird weitergeführt:

Debatte der Woche
Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte anlässlich des Kita-Fachkräfteradars der Bertelsmann-Stiftung sich für den Vorschlag ausgesprochen, die Öffnungszeiten von Kitas generell zu verkürzen. Dagegen wendet sich nun vehement die Handelsblatt-Kolumne „Homo Oeconomicus“ mit einem Kommentar. Statt endlich die Arbeitsbedingungen in der Betreuung zu verbessern und Auszubildenden eine angemessene Vergütung zu zahlen werde das Problem „den Bürgern zur privaten Lösung zurückgegeben“. Die Betreuungsarbeit den Müttern zu überlassen käme einem Rückfall in die 60er Jahre gleich.
(Handelsblatt)

Lese-Tipp: Wie gute Kita-Qualität trotz Fachkräftemangels geleistet werden kann und warum Deutschland dafür ein übergreifendes Qualitätsmonitoring in den Einrichtungen braucht, erläutert Bildungswissenschaftler Stefan Faas im Interview mit dem Magazin Campus Schulmanagement. Prädikat: Lesenswert.
campus-schulmanagement.de

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