Presserückblick KW 2/ 2024

Wann Privates politisch wird, wie sich Interessenkonflikte vermeiden lassen und warum die Bildungssenatorin bleiben soll. Das und die Ergebnisse unserer Umfrage zum Fachkräftemangel prägen diese Woche die Medien-Agenda.

Lassen sich Liebe und Politik vereinen? Nun, in Berlin gibt es jetzt eine Lösung, um das von vielen befürchtete „Küchenkabinett“ von Bürgermeister Kai Wegner und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch zu vermeiden: Bei Konflikten mit der Bildungsverwaltung vermittelt statt Wegner künftig Finanzsenator Stefan Evers (CDU). Geht es um Geldkonflikte zwischen Bildungs- und Finanzressort springt SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) ein.

Das befriedigt zwar nicht alle, bei den Grünen beispielsweise wird weiter gegrummelt.
Berlins Wähler jedoch finden das mehrheitlich und im Großen und Ganzen akzeptabel, wie die Mopo herausgefunden hat. Einzige Ausnahme: AfD-Wähler.
(Berliner Morgenpost)

Günther-Wünsch – deren Fachkompetenz im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin nicht angezweifelt wird – schaltet jedenfalls in den Arbeits-Modus:

Zitat der Woche

„Meine große Aufgabe besteht momentan darin, die Aufgaben der Senatsbildungsverwaltung genauso stringent anzugehen, wie wir es auch die letzten acht Monate getan haben“.
(Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) im _Tagesspiegel_-Interview)

„Zu kompetent um geopfert zu werden“, titelt Tagesspiegel -Redakteurin Sabine-Vieth Entus in einem Artikel über Günther-Wünsch, und prangert die jahrelangen Fehlbesetzungen der SPD in Sachen Bildungspolitik an – zuletzt den Fehlgriff Franziska Giffeys, die den Posten zuvor mit der „geradezu aberwitzig überforderten Astrid-Sabine Busse besetzt hatte“.
(Tagesspiegel)

Wir vom Aktionsbündnis Kita-Stimme begrüßen es, dass Günther Wünsch große Aufgaben stringent angehen will. Dazu zählt zweifellos die Behebung des Fachkräftemangels in der Berliner Kita-Landschaft.

In eigener Sache

Wie groß die Herausforderungen sind, belegt die Auswertung unserer Herbstumfrage unter freien Kitaträgern in Berlin. Eines der Ergebnisse: Zehn Prozent der baulich eigentlich vorhandenen Kitaplätze kann nicht zur Verfügung gestellt werden, und in 72 Prozent aller genannten Fälle liegt das an fehlendem Fachpersonal. Zudem sind nur 71 Prozent der pädagogischen Mitarbeiterinnen voll anerkannte pädagogische Fachkräfte. Offene Stellen bleiben drei bis sieben Monate unbesetzt. Nach unseren Berechnungen fehlen bis 2028 in Berlin 4860 Fachkräfte.
An der Umfrage haben sich 34 freie Kitaträger beteiligt, die in Berlin 251 Kitas mit insgesamt 25 184 Plätzen betreiben. Zu mehr Details geht es hier entlang

Genügend Kitaplätze und gut ausgebildete Fachkräfte, gezieltere (Sprach-)Förderung von Kindern, die es am nötigsten brauchen – diese neuen, alten Themen bleiben uns auch in diesem Jahr erhalten. Das gilt nicht nur für Berlin, sondern auch anderswo in der Republik.

Bundespolitik
Wo sie die vier Bundesmilliarden des Kita-Qualitätsgesetzes in den nächsten zwei Jahren in den Ländern untergebracht sehen will, sagt Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) im Interview mit Bildungsklick. Dazu zählt beispielsweise „die Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels“ oder „die Gewinnung und Sicherung qualifizierter Fachkräfte“. Derweil machen sich Arbeitsgruppen daran, bundesweit gültige Standards zu entwickeln, beispielsweise für Betreuung und sprachliche Bildung. Sie sollen in das geplante Qualitätsentwicklungsgesetz einfließen, das auf das Kita-Qualitätsgesetz folgen soll.
bildungsklick.de

Zahl der Woche
Mit den ersten drei Investitionsprogrammen des Bundes wurden bundesweit mehr als 560 000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen. Das vierte und fünfte Investitionsprogramm soll weitere 190 000 Plätze für Kinder bis zum Schuleintritt schaffen. Mit 5,4 Milliarden Euro für die insgesamt fünf Investitionsprogramme beteiligt sich der Bund.
bildungsklick.de

Die „Taz“ hat sich die neue Präsidentin der Kultusministerinnenkonferenz (KMK), Christine Streichert-Clivot, vorgeknöpft. Die saarländische Bildungsministerin will die Zusammenarbeit mit der Jugend- und Familienministerkonferenz fortführen. Und sie hofft, dass sich der Bund auch nach 2025 nicht aus der Finanzierung der Kita-Qualität zurückzieht. Bei der KMK selbst ist eine Reform der trägen und verästelten Gremien überfällig, um wichtige bildungspolitische Entscheidungen zu beschleunigen.
(Die Tageszeitung)

„Schneller, besser, politischer“ soll die KMK zukünftig werden, filtert der Spiegel aus einem Interview mit der neuen KMK-Präsidentin heraus. Mit dem Bildungsföderalismus ist Streichert-Clivot aber grundsätzlich zufrieden.
(Der Spiegel)

Wir schicken Sie ins Wochenende mit einem Thema aus der Kita-Praxis, wo das Personal derzeit wieder von Infektionswellen gebeutelt ist

Diskussionsstoff der Woche
Die Grippewelle rollt – auch über die Kitas und deren ohnehin knappes Personal hinweg. Wann sollen Kinder nach Hause geschickt werden, und wieviel Rotznase ist erlaubt? Michael Hubmann, Präsident des Bundesverbandes der Kinder und Jugendärzte (BVKJ), plädiert für einen gelasseneren Umgang der Kitas mit der Kinder-Erkältung. Gleichzeitig plädiert er dafür, mehr Kinder gegen Grippe zu impfen. In der Praxis ist nicht immer zwischen harmlosem Husten und ansteckendem Infekt zu entscheiden.
stuttgarter-zeitung.de

Pumpen Sie sich voll mit Vitamin C, lassen Sie sich nicht anstecken und bleiben Sie heiter!

Ihre Kita-Stimme.berlin