Presserückblick KW 18/2024

Warum der Senat Verhandlungen um einen besseren Personalschlüssel ablehnt
und den Berliner Kitas wieder Streik droht. Dieses und weitere Themen im Wochenrückblick.

Wegen der angespannten Personalsituation schlagen Berlins 280 landeseigene Kitas Alarm. Es gebe immer wieder Notschließungen und im Alltag keine Zeit für individuelle Förderung, heißt es. Gemeinsam mit Verdi fordern die Eigenbetriebe Tarifverhandlungen über einen besseren Betreuungsschlüssel in Berlin. Ziel sei „die Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation sein und
die Sicherheit der pädagogischen Arbeit“, sagte Verdi-Verhandlerin Bettina Weitermann der Mopo und hat Streiks nicht ausgeschlossen.
(Berliner Morgenpost)

Die Absage des Senats an Verhandlungen mit Verdi ließ nicht lange auf sich warten. Inhaltlich teile man zwar das Ziele der Gewerkschaft, die pädagogische Arbeit in den Berliner Kita-Eigenbetrieben zu verbessern, ließ die Finanzverwaltung über eine Sprecherin mitteilen. Zuständig für solche Verhandlungen sei aber die Bundesebene, konkret: die Tarifgemeinschaft der Länder (TV-L). An diese müsse Verdi seine Forderung richten.
tagesschau.de

Vielleicht sollten sich die Betroffenen in den Bundesländern zusammenschließen, denn nicht nur in Berlin ist Unterfinanzierung beim Personalschlüssel Thema. Deswegen hat sich jetzt in Sachsen eine Kampagne hat die Betreuungsqualität auf die Fahnen geschrieben. Ein Audio-Beitrag des MDR gibt Einblicke in die Mängel des geltenden Personalschlüssels. Der fällt zwar in Sachsen besonders ungünstig aus, ist aber auch im Rest der Republik mitverantwortlich für Personalknappheit in Kitas. Statt bei rückläufigen Kinderzahlen vor allem ländliche Kitas zu schließen fordern Experten, die Chance zu nutzen, um endlich die Betreuungsqualität zu verbessern.
mdr.de

Dieser Forderung schließt sich auch der Sächsische Erzieherverband an (SEV). Eine angemessene Fachkraft-Kind-Relation sowie die Berücksichtigung von Urlaubstagen, Krankheitsausfällen
und Weiterbildungen bei der Personalberechnung seien „dringend erforderlich“.
(dpa Landesdienst)

Nicht nur die angemessene Finanzierung des tatsächlich benötigten Personals lässt zu wünschen übrig. Pädagogische Fachkräfte sind bekanntlich generell ziemlich rar gesät. In Freiburg läuft nun ein Programm an, das zum Ziel hat, gut ausgebildete ausländische Fachkräfte schneller in den deutschen Erziehenden-Arbeitsmarkt zu integrieren:

Maßnahme der Woche
Dem Fachkräftemangel zu Leibe rücken will die Evangelische Hochschule Freiburg. Seit Anfang Mai bereitet die Uni akademische Fachkräfte aus Portugal, Spanien und der Ukraine auf ihren Arbeitseinstieg als pädagogische Fachkräfte in Deutschland vor. Das Programm KiPäd plus ermöglicht es, den ausländischen Hochschulabschluss an das deutsche System anzupassen.
(epd)

In der „Berliner Zeitung“ macht sich Interviewer Jens Blankennagel zusammen mit der Soziologin Michaela Kreyenfeld Gedanken, warum die Geburtenrate in Berlin zurückgeht und was das unter vielen anderen Einflüssen und Krisen auch mit der Situation in den Kitas zu tun hat:

Zitat der Woche
“(…) leider haben sich in den letzten Jahren viele Dinge wieder verändert, etwa der Fachkräftemangel in Kitas, der dafür sorgt, dass Kitas, die eigentlich bis 17 Uhr geöffnet haben sollen, schon um 15 Uhr schließen. Dann kam die Verunsicherung in der Corona-Krise. Ich denke, dass die Politik den Eltern wieder Sicherheit geben muss, Verlässlichkeit“.
(Die Soziologin Michaela Kreyenfeld, Hertie School Berlin, in der „Berliner Zeitung“)

Die Frage, die ganz Kita-Berlin in den letzten Wochen umtrieb, lautete, ob mit dem möglichen neuen SPD-Führungsduo Hikel/Böcker-Giannini die Gebührenfreiheit der Kitas wieder abgeschafft wird. Ex-Bürgermeisterin Franziska Giffey, heute Wirtschaftssenatorin in der schwarz-roten Koalition, geht davon aus, dass es keine Kita-Gebühren geben wird. Die Gebührenfreiheit sei „eine große Errungenschaft“. Wenn Frauen wegen hoher Kitagebühren sagen, es lohne sich nicht arbeiten zu gehen oder nur Teilzeit zu arbeiten, dann könne sich eine Gesellschaft sich das schon wegen des hohen Fachkräftemangels nicht leisten.
(Berliner Morgenpost)

Personalie der Woche
Der Paritätische Wohlfahrtsverband betreibt nicht nur Kitas, sondern widmet sich neben der frühen Bildung auch anderen großen sozialen Fragen. An der Verbandsspitze steht nun ein Wechsel an:
Der Verwaltungswirt und promovierte Politikwissenschaftler Joachim Rock, 50, wird am 1. August Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Er folgt auf Ulrich Schneider, 65 der sich über 36 Jahre lang hauptberuflich und für die sozialen Belange in der Gesellschaft engagierte und nun als Berater und Autor weitermachen will.
(epd)
Gesellschaftliche Veränderungen wie die Migration brauchen gute Lösungen. Ob etwas Angst macht, oder im Gegenteil als Bereicherung empfunden wird, hängt oft auch davon ab, wie gut und transparent kommuniziert wird. Ein schöner Einblick in das Thema Mehrsprachigkeit in den Kitas unserer Einwanderungsgesellschaft, zeigt wie das geht:

Audio-Tipp
Viele Kinder wachsen inzwischen mehrsprachig auf. Wie die frühe Sprachentwicklung mit Mehrsprachigkeit in der Kita gelingt, und wie Eltern die Vielfalt begrüßen können ohne sich Sorgen zu machen, dass ihre Kinder ausreichend gut Deutsch sprechen, thematisiert Fröbel in einem aktuellen Podcast auf Soundcloud (19:41 Minuten).
soundcloud.com/froebelcast

Ein sonniges Wochenende wünscht

Ihre Kita-Stimme.berlin