Presserückblick KW 16/2024

In Berlin nichts Neues: jedenfalls in Sachen Hauptstadtzulage und Kindergrundsicherung. Wir schauen deswegen mal nach, was in den anderen Bundesländern los ist.

Nach dem Protest ist vor dem Protest. Nachdem vergangene Woche noch einmal etwa 3000 Beschäftigte von freien Kita-Trägern in Berlin auf die Straße gegangen waren tut sich erst einmal: Nichts. Jetzt heißt es warten, denn es ist alles zum Thema Ungleichbehandlung gesagt. Und die Finanzverwaltung bleibt bei ihrer Äußerung vom Februar. Sie verweist dort auf die laufenden Verhandlungen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und sagt, sie könne deren Ergebnissen nicht vorgreifen.
zeit.de

Die junge Welt hat den Frust noch einmal zusammengefasst und stellt die Frage, wo denn die Fachkräfte herkommen sollen, wenn die Bezahlung in den sozialen Berufen derart unattraktiv ist:

Zitat der Woche
„Berlin verliert Hoch- und Fachhochschulabsolventinnen der Sozialen Arbeit. Sie verlassen nach ihrem Studium die Stadt, da sie hier keine bezahlbaren Wohnungen finden. Das führt zu einer weiteren Verschärfung des Fachkräftemangels“.
(Maria Frankl, Betroffene in einem Demo-Bericht in der jungen Welt)

Vorläufige Stagnation auch beim Projekt der Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne). Die Kindergrundsicherung zeigt Anzeichen eines Rohrkrepierers. Ob noch etwas daraus wird und unter welchen Umständen lässt sich kaum prognostizieren. Ministerin Paus rudert bei den angeblich benötigten 5000 Mitarbeitern zurück. Die FDP macht weiter Druck. Und das „Handelsblatt“ bringt nun auch eine Mahnung des Normenkontrollrats ins Spiel.
(Handelsblatt)

Leidtragenden sind diejenigen Kinder, die dringend Unterstützung benötigen. Das Finanzministerium legt nun Zahlen vor, die wohl zeigen sollen, wieviel der Staat auch schon ohne Grundsicherung für die Familien tut:

Zahl der Woche
Die familienpolitischen Leistungen für das laufende Jahr werden auf 97,1 Milliarden beziffert – etwa 10 Milliarden Euro mehr als vor drei Jahren. Davon gehen 54,2 Milliarden Ausgaben für das Kindergeld.
(aus der Datensammlung des Bundesfinanzministeriums zur Steuerpolitik, FAZ)

Weil sich die Neuigkeiten aus Berlin und Bundespolitik diese Woche in Grenzen halten, schauen wir doch einfach einmal nach, was sich in den Ländern so tut. Entfalten sich dort Aktivitäten rund um die frühe Bildung, und wenn ja, welche?
Die rheinland-pfälzische CDU will den Übergang von der Kita in die Grundschule verbindlicher regeln und denkt über eine verpflichtende Sprachförderung von Kita-Kindern nach.
stern.de

Dafür braucht es natürlich nicht nur wolkige Überlegungen, sondern Personal und Geld, um das etwaige Vorhaben vernünftig umzusetzen. In dieser Hinsicht ist Baden-Württemberg schon ein Eckchen weiter. Nach langem Zögern eist die grün-schwarze Regierung für die Sprachförderung in Kitas und Grundschulen in den nächsten zwei Jahren 250 Millionen Euro los. Das Konzept von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) sieht vor, Kitakindern mit Förderbedarf eine verpflichtende Sprachförderung von vier Wochenstunden zu verpassen und die Erfolge sechs Monate vor der Einschulung noch einmal zu überprüfen. Wer dann noch Förderbedarf hat, kommt in der Schule erst mal in eine der ersten Klasse vorgelagerte „Juniorklasse“.
swr.de

Weil dringend benötigte Kita-Fachkräfte fehlen stricken SPD und Grüne in Niedersachsen nun an einer Notlösung, die Schließungen vermeiden soll. Kita-Trägern soll der Einsatz von Assistenzkräften erleichtert werden, wenn keine Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die niedrigeren Standards sollen von August an je nach Fachbereich für zwei bis sechs Jahre gelten. Kritik kommt von Verdi. Die Gewerkschaft befürchtet, dass weitere Fachkräfte aus dem Beruf flüchten, weil der Einsatz von Assistenzkräften nicht zu einer wirklichen Entlastung führe.
news4teachers.de

Hessen führt das Programm für duale Kita-Ausbildungsplätze fort und fördert in diesem Jahr insgesamt 1000 Ausbildungsplätze mit zusätzlichen 22 Millionen Euro, damit den Auszubildenden ein Gehalt bezahlt werden kann. Das Programm wurde 2020 nach dem Vorbild Baden-Württembergs eingeführt. Die Grünen fordern zusätzliche Investitionen in mehr Kita-Plätze.
(Frankfurter Rundschau)

Idee der Woche
Fröbel will Kommunalpolitiker in Cottbus und Senftenberg einen Tag ins Kita-Praktikum schicken. Eine Gaudi-Veranstaltung soll das aber nicht sein. Die Politiker sollen sich einen Überblick über die Bildungsrealität und die Arbeitsbedingungen n der frühkindlichen Bildung verschaffen, die geprägt ist von gefährlicher Personalknappheit bei zunehmenden Bildungsaufgaben. Elternvertreter erhoffen sich, dass ihre Vorschläge hinsichtlich eines besseren Personalschlüssels und einer Ausbildungsoffensive nach dem Praxisschulung der Abgeordneten nicht mehr einfach weggelächelt werden können.
(Lausitzer Rundschau)

An ganz anderer Stelle geht es voran, wenn auch nur ein bisschen:

Lese-Tipp I
In der evangelischen Zeitung wirft epd-Autor Matthias Pankau einen Blick auf die männlichen Erziehungsfachkräfte in den Kitas. Die sind zwar immer noch in der Minderheit, doch ihr Anteil steigt. Auch für die Kinder hat es Vorteile, wenn sie in den Kitas nicht nur von Erzieherinnen betreut werden. Für Jungs sind Erzieher wichtige Rollenvorbilder. Zudem leben gemischte Kita-Teams den Kindern vor, wie Männer und Frauen miteinander umgehen.
evangelische-zeitung.de

Wenn Sie lernen wollen, was Sie alles falsch machen können, obwohl sie eigentlich etwas verbessern wollen und wie politische Gegner das für sich ausschlachten, dann geben Sie sich‘s mit dem folgenden Text:

Lese-Tipp II
Das Recherchekollektiv Correctiv untersucht, was es mit der angeblichen Frühsexualisierung von Kita-Kindern auf sich hat – und was nicht. Ein Lehrstück über Skandalisierung.
correctiv.org/faktencheck

Bleiben Sie stark, bleiben Sie heiter, und bleiben Sie dran!
Ihre Kita-Stimme.berlin