Presserückblick 4/ KW 2024

Kita-Kernzeiten reduzieren, mehr Quereinsteiger zulassen und die Frage, was Kinder dem Staat wert sind – diese Themen standen diese Woche auf der Medien-Agenda.

In Berlin fehlen 20 000 Betreuungsplätze. Da sind viele Eltern froh, überhaupt einen Kita-Platz zu bekommen. Keine Kleinigkeit für Eltern, bei dieser Knappheit auch noch darauf zu achten, dass es eine gute Kita ist. Der Frage, worauf Eltern bei der Kita-Auswahl achten sollen, geht Pädagogin Nora Imlau im „Tagesspiegel“ nach. Ausreichend Personal, wertschätzender Umgang, kinderfreundliche Räume und konfliktfähige Erzieherinnen seien dabei wichtiger als etwa ein straff durchgezogenes Förderprogramm zwischen Englisch, Musik und Ballett.
(Tagesspiegel)

Zitat der Woche
„Besser, die Erzieher spielen ,nur‘ mit den Kindern und sind dabei feinfühlig und zugewandt, als dass sie gestresst einem straffen Förderprogramm folgen“.
(Pädagogin und Ratgeber-Autorin Nora Imlau im „Tagesspiegel“)

Debatte der Woche I
Landauf, landab – egal ob in Stadt oder Land – reduzieren Kitas inzwischen ihr Angebot. Sie machen schon um 14 Uhr dicht, teilen Kinder in Gruppen ein, die nur in täglichem Wechsel erscheinen dürfen, oder flehen morgens die Eltern an, ihr Kind doch bitte nicht zu bringen. Der Notfallmodus ist in vielen Kitas zum Dauerzustand geworden. Die „Zeit“ greift einen (umstrittenen) Vorschlag der Bertelsmann Stiftung noch einmal auf und stellt die Frage, ob es nicht besser wäre, das Angebot in Kitas vorübergehend einheitlich auf Kernöffnungszeiten einzudampfen und um Härtefallregelungen zu ergänzen. Mit dem Ziel, mehr Verlässlichkeit zu schaffen und aus der Dauernotfall-Misere herauszukommen. Davon könnten vor allem diejenigen Kinder profitieren, deren Eltern nicht in der Lage sind, lautstark ihre Interessen durchzusetzen.
(Die Zeit)

Und der Kita-Ausbau ist ins Stocken geraten, wie der aktuelle Evaluationsbericht des Bundesfamilienministeriums zeigt. Platzmangel, vorübergehende Schließungen und zu wenig Personal verschärfen die Situation weiter. So sagt ein Drittel der Kita-Leitungen, dass es in ihrer Einrichtung Stellen für Fachkräfte gebe, für die sich seit sechs Monaten oder länger niemand Geeignetes finden lasse.
(Tagesspiegel)

Zahl der Woche
61 Prozent der Kitas mussten 2022 wegen Personalausfällen ihre Öffnungszeiten verkürzen.
(aus dem Bericht des BMFSFJ, Tagesspiegel)

NEWS
Den bedrohlichen Fachkräftemangel in Kitas will Bayern damit beikommen, dass Kitas ab sofort leichter Quereinsteiger ohne klassische Ausbildung als pädagogische Fachkraft einstellen können. Ganz ahnungslos sollen sie aber auch nicht sein: Ein Bachelorabschluss oder Diplom in Pädagogik, Erziehungs- oder Bildungswissenschaft ist Voraussetzung. Ebenso wie eine sechsmonatige Praxiserfahrung in der Kita.
br.de

Achtung, jetzt wird es grundsätzlich:

Debatte der Woche II
Was sind die Kinder dem Staat wert?“, fragte sich die „taz“ diese Woche angesichts der Debatte um Kindergeld und Kinderfreibetrag. Und rechnet vor, dass eine Erhöhung des Kindergeldes deutlich mehr Kinder erreichen würde als die Anhebung des Kinderfreibetrages. Nach Zahlen aus dem Bundesfamilienministerium wird für 67 Prozent der Kinder Kindergeld gezahlt, für 22 Prozent machen Eltern den Freibetrag geltend. 11 Prozent leben vom Bürgergeld.
(taz)

Die Argumentation verfing nicht bei Finanzminister Christian Lindner, der Eltern mit höheren Einkommen über höhere Kinderfreibeträge entlasten will.
zeit.de

Die „Süddeutsche Zeitung“ mutmaßt, Lindners Zurückhaltung beim Kindergeld könnte auch mit den Kosten zu tun haben, die sich bei einer Anhebung auf neun Euro auf jährlich 1,5 Milliarden Euro belaufen würden. Zusammen mit der (verfassungsrechtlich gebotenen) Erhöhung der Freibeträge für Eltern und Kinder kämen Haushaltsbelastungen von 3,4 Milliarden Euro auf Bund, Länder und Gemeinden zu.
(Süddeutsche Zeitung)

Zitat der Woche
Das Kindergeld sollte ab dem vierten Lebensjahr an den Besuch der Kita gekoppelt sein. Notwendig wäre eine Grundgesetzänderung mit einem Wechsel vom föderalen zum zentralen Bildungssystem.
(Wolfgang Harnischfeger, langjähriger Berliner Gymnasialleiter/_Tagesspiegel_)

Das liefert sicher Debattenstoff.

Aufgegriffen, gedreht und gewendet wird inzwischen auch eine Idee des vom Bundestag einberufenen Elternbeirats. Der schlägt vor, ein vom Staat bezahltes, für Kinder (und deren Betreuer) kostenloses Mittagessen einzuführen. Niedersachsens Landesregierung findet das gut, sieht allerdings auch den Bund in der (Mit-)Finanzierungspflicht. Klamme Kommunen winken bereits ab.
news4teachers.de

Bleiben wir beim Essen und schauen auf ein vorbildliches Projekt in Brandenburg:

Elternunternehmer der Woche
Grütz- oder Currywurst oder pappige Nudeln mit Sauce aus der Packung – dieses Essen haben unsere Kinder nicht verdient, sagte sich eine Gruppe Eltern aus Biesenthal und gründete kurzerhand ein Cateringunternehmen für Kitas. Gekocht wird fleischlos, aber dafür mit viel frischem Gemüse aus der Region. Das Konzept der „Wukantina“ schmeckt den Kindern und kommt an: 300 frisch gekochte Essensportionen werden inzwischen täglich an Kitas geliefert.
(Tagesspiegel)

Vom Essen wechseln wir etwas abrupt zum Medienkonsum:

Hör-Tipp
Kleinkinder verbringen inzwischen zu viel Zeit vor dem Bildschirm. Die Initiative „Schau Hin“ coacht deswegen Eltern im guten Umgang ihrer Kinder mit elektronischen Medien und gibt Tipps, was man tun kann, wenn ein Kind nicht vom Bildschirm wegkommt.
Froebelcast/Bildschirmzeit-fur-kinder (Audio ca 32 Minuten)

Wir lösen uns nun ebenfalls von unseren Bildschirmen und wünschen Ihnen ein entspanntes Wochenende!

Ihre Kita-Stimme.berlin